Tagebuch 2020

Die zeit

Die Zeit kriegt keine Kinder, Sie kann keine Kriege führ'n

Die Zeit kann nichts gewinnen, Sie kann keine Zeit verlier'n

Die Zeit bricht keine Herzen, Sie kann den Sinn nicht seh'n

Die Zeit kann fast überhaupt nichts. Die Zeit kann nur vergeh'n.

 

Die Zeit kann nichts überraschen, Sie schießt keine Fotos von dir.

Die Zeit kann nicht mit dir lachen. Die Zeit bringt dich nicht zu mir

Die Zeit bricht keine Herzen und Sie kann den Wind nicht dreh'n

Die Zeit kann fast gar nichts. Die Zeit kann nur vergeh'n.

 

Die Zeit kann sich nicht beklagen, Sie kann nicht Geige spielen

Die Zeit kann nichts entwerfen und sie kann nicht auf Menschen zielen

Die Zeit kann kein Wort schreiben, nicht zählen, nichtmal bis Zehn

Die Zeit kann fast überhaupt nichts. Die Zeit kann nur vergeh'n.

 

Die Zeit schaut nie auf die Uhr. Die Zeit schreibt nie was auf.

Die Zeit macht keinen Fehler und sie nimmt alles in Kauf. Die Zeit bricht keine Herzen, die Zeit kann nichts versteh'n.

Die Zeit kann fast überhaupt nichts. Die Zeit kann nur vergeh'n.

 

Die Zeit ist nur die Zeit und niemand kann sie seh'n,

keiner von all denen, die mir vorüber geh'n.

Die Zeit bricht keine Herzen, Sie kann den Sinn nicht seh'n.

Die Zeit kann fast überhaupt nichts. Die Zeit kann nur vergeh'n.

                                                                                                      Verfasser unbekannt



"Die Zeit kann nur vergehen"  

                                                                                     Vielleicht gelingt es mir, ein paar Augenblicke festzuhalten

Die erste Meldung im neuen Jahr - kurz nach Mitternacht:

Das Affenhaus im Krefelder Zoo komplett abgebrannt - alle Affen tot! 

Im Laufe des nächsten Tages sickert die Nachricht durch, dass der Brand durch eine "Himmelslaterne"  ausgelöst wurde.

Ich weiß gar nicht, was das ist? Aber es wird wohl mit Silvester und irgendwelchen unerlaubten Knallkörpern zu tun haben.  Ich bin so sauer auf dieses verkackte Feuerwerk, das jedes Jahr Schaden anrichtet und trotzdem nicht verboten wird. Auf all die "Hirnlosen", besoffenen Typen ... 

und nun, einen Tag später ... sitze ich hier und bin fassungslos! Eine Frau - in meinem Alter - mit ihren beiden erwachsenden Töchtern - haben im Internet diese Himmelslaternen gefunden und bestellt. Sie haben sie mit ihren Wünschen für das Jahr 2020 beschrieben und mit einer Kerze gen Himmel  - zum lieben Gott - geschickt

                                                                                              Bestimmt haben sie auch für unsere Tiere eine Fürbitte gesprochen.

Was für ein unsagbare Tragödie, das diese "Himmelslaterne" den Brand des Affenhauses ausgelöst hat!!!!

Ich begreife, dass auch mir diese "fahrlässige Brandstiftung" hätte passieren können!  Ich weiß gar nicht mehr, wo ich mit meinem Entsetzen über den Tot der vielen Affen hin soll - was für eine mega Scheiße! 

Ich begreife, wie schnell man am Abgrund steht - mein Herz fängt an für die Frauen zu schlagen und dennoch weine ich um die Tiere! - Es tut mir so leid

Aber ich wünsche  mir sehr, das diese Frauen, eine Chance erhalten ...

9.01.2020

Heute ist mein letzter Urlaubstag.  Was für eine Zeit liegt hinter mir!

Weihnachten, so schick gelegen, dass die Woche aus nur 2 Arbeitstagen bestand - auch die Silvesterwoche, war eine kurze Arbeitswoche - das letzte  Wochenende in 2019 in Itzehoe verbracht -  im neuen Jahr noch schnell den 2. Januar 2020 zur Arbeit gegangen und dann endlich nach Helgoland zu den Robbenkindern. 

Ich fühle mich, wie ein kleines Kind, das völlig reizüberflutet, schwer zur Ruhe kommt. Ich ziehe mich ein wenig aus der Öffentlichkeit heraus,  beschäftige mich mit den unzähligen Bildern, die ich bei meinem Besuch in Itzehoe und auf Helgoland gemacht habe. Und ich versuche zu schlafen! Heute Nacht, habe ich ohne Störungen durch geschlafen und fühle mich entsprechend fit. 

Ich freue mich auf den Tag!

Sonntag morgen - alle Welt schläft aus. Nur Frau Biermann nicht. Die steht um 5:30 Uhr auf dem Hof und holt Oskar rein. Das wäre bis dahin noch nicht weiter schlimm gewesen, da ich sofort wieder  in mein Bett zurück springe. Schön warm eingekuschelt, höre ich Oskar unten jammern! Zunächst versuche ich es zu ignorieren. Für einen Augenblick scheint meine Strategie aufzugehen. Er kommt hoch und legt sich ins Regal. Leider nur für wenige Minuten. Dann geht das Gejammer  weiter. Ich mache Licht und schaue nach ihm. Kann aber nicht erkennen, was ihm fehlen könnte. 

10 Minuten später ist er wieder draußen - das war ja insgesamt eine tolle Aktion!  Ich bin nun so wach, das es sich nicht lohnt liegen zu bleiben. Stehe ich also auf und spule das morgendliche Programm ab. Minki bekommt ihre Tablette, natürlich ihr Leckerchen und außerdem möchte sie hinaus gehen - es ist kalt und stürmisch.  Das interessiert aber nur mich. Minka sitzt draußen, als wäre die Sommerfrische ausgebrochen und ich bin kurz vor festfrieren. Leider lasse ich sie nur ungerne draußen, weil sie ja nicht mehr hört und sieht. Das ist mir zu gefährlich. Warte ich also "geduldig" bis sie wieder rein kommt und widme mich dann meinem Kaffee.

Gegen 7:30 Uhr bin ich tierisch müde. Ich mache mir mein Hörbuch an, falle auf meinem Sofa um, und schlafe noch ganze 2 Stunden weiter. Oskar liegt dicht gedrängt neben mir - den hatte ich dann zwischenzeitlich wieder rein geholt. Wahrscheinlich war das der Grund für seine Unruhe: Er wollte neben mir liegen. Dass er ein Hörbuch hören wollte, wage ich jetzt allerdings mal zu bezweifeln. So ist mein Kater halt - immer für einen Witz zu haben!

Das Leben beginnt da, wo die Angst endet - 17.01.2020

"Das Leben beginnt da, wo die Angst endet" - habe ich mal irgendwo gelesen.

Heute morgen - es ist kurz nach 7:00 Uhr - stehe ich auf.  Minki nimmt ihre Tabletten, das macht sie inzwischen so toll.  Danach gibt es natürlich ein Leckerlie und dann geht es raus auf die Terrasse. Was Minki dort genau macht, weiß ich nicht. Sie sitzt dort und schaut sich um, egal wie kalt oder nass es ist - und wenn ich nicht wüsste, das sie blind ist, würde ich denken, das sie bis zum Ende der Welt gerade sieht. 

Während ich da also stehe und auf Minki warte, geht drüben die Scheune auf. Ich wundere mich - es ist ja noch nicht mal hell.

Später sitze ich auf dem Sofa und putze mir die Zähne. Plötzlich fällt hinter der Scheune ein Baum um. Bin ich betrunken? Ich öffne meine Tür und höre, die mir mittlerweile verhasste Motorsäge! Eine dunkle Vorahnung überkommt mich - hier wird am Abend nicht mehr ein einziger Baum stehen!

                                                                                                                              Ich weine innerlich

 

Etwas später sehe ich wie das Seil am nächsten Baum festgemacht wird - dieser große Baum schlägt hart auf der Erde auf - meine Wohnung zittert - Erinnerungen an den Blitzeinschlag werden wach - blos diese aufkommende Panik  nicht hoch kommen lassen!

Und wie so oft, verdränge ich diese Angst - ich wüsste auch nicht, was ich sonst mit ihr machen sollte!

Ich fahre zur Ernährungsberatung und  dröhne die arme Frau voll mit meinen Gedanken. Hatte ich anfangs nichts mit ihr anzufangen gewusst, jetzt wird sie für mich immer wichtiger. Ich fühle förmlich den Zusammenhang zwischen meinen Empfindungen und meiner Darmerkrankung!

"Gib jedem Tag eine Chance" - ist die Botschaft. Gebe deiner Angst einen Stellenwert, aber lasse sie nicht Besitz von dir ergreifen!

Was kann mir passieren - werde ich womöglich morgen von einem Wolf gefressen? Wohl eher nicht!

 

Wie schön, dass ich wieder anfangen kann, mein Hirn einzuschalten!  Im "Irrenhaus" habe ich etwas Chaos hinterlassen. Tut mir leid!

Manchmal frage ich mich, ob Angst gleichzeitig dazu führen kann, sich nicht mehr zu spüren.  Ich werde häufiger mal gefragt was ich denn will und zack, weiß ich es nicht mehr!

Nun ist es aber auch so, dass ich in einer Zeit des Umbruchs "groß geworden bin".  Politisch wirbelte die RAF und ihre Nachfolger, Alice Schwarzer wurde geliebt und gehasst!

Die ältere Generation  konnte diesem Aufmarsch  kaum folgen und so wurden mir immer wieder Grenzen aufgezeigt.  Eine meiner traumatischsten Erlebnisse, war der Moment, als mir gekündigt wurde, weil ich mich in eine Frau verliebt hatte.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt,  hatte ich gelernt, mich nicht durchschauen zu lassen

und leider habe ich in dieser Zeit auch verlernt , meine eigenen Gedanken zu respektieren.

18.01.2020

Endlich Wochenende - Samstag.  An Ausschlafen will ich gar nicht denken - ich bin immer sehr unruhig, wenn Oskar in der Nacht draußen ist. Den Prügeleien mit Pico ist Oskar nicht gewachsen - er ist dann immer richtig ramponiert. Nun haben wir aber besprochen, dass er mich rufen soll, wenn er Hilfe braucht und das macht er auch. So kann es vorkommen, dass ich mitten in der Nacht, leicht bekleidet im Regen und bei nicht ganz so kuscheligen Temperaturen auf dem Hof stehe und meinen Kater rette.

Minki  ihrerseits geht davon aus, dass ich auch am Wochenende um 7:00 Uhr aufstehen muss. Sie läuft  herum,  ruft auch schon mal  und  setzt  sich dann oberhalb des Treppenabsatzes hin und wartet auf mich.  Das finde ich so schön, dass ich sie  auch nicht mehr warten lassen will. Stehe ich also auf. Denke noch kurz, dass ich mich ja noch mal auf's Sofa legen kann. Was ich dann allerdings doch nicht mache!

Heute morgen genieße ich erst einmal den freien Tag. Sitze lange - erst bei einem Kaffee, später bei einem Tee - blätter ein wenig in FB herum und höre  mein Hörbuch. Zur Zeit bin ich mit "Wahre Verbrechen - Stern Crime - Der Podcast" beschäftigt.

Minki liegt neben mir auf dem Sofa und schläft - Herr Frickel liegt oben im Bett - Ruhe!

Es schießt mir durch den Kopf, dass ich diese Ruhe nutzen sollte und mal eben im Wohnzimmer durchwischen könnte.

Schnell rücke ich alle Möbel an die Seite und hole mir Wasser. Kaum dass der Feudel den Boden berührt hat, steht Minki auf. Ich bin sofort zur Stelle, weil ich davon ausgehe, dass sie sich nicht zurecht findet. Zu meiner großen Verwunderung, ist das alles kein Problem für sie. Sollte Minki tatsächlich wieder etwas sehen können  - das wäre ja ein Traum!

Später fahre ich noch in die Mukibude und bringe meinen Kreislauf in Schwung. Wieder zuhause koche ich mir etwas, setze mich vor meinen Schläptop und schaue einen Krimi. Ich liebe es, dafür Zeit zu haben!

Das war heute ein schöner Tag, an dem es mir auch psychisch wieder besser geht. Ich mache mich im Job  nicht mehr verrückt. Entweder es geht da jetzt was oder es geht nicht. Schließlich bin ich doch gar nicht mehr so sehr auf die Dinge angewiesen

22.01.2010 

Heute fahre ich mit mega Magenschmerzen nach Hause. Langsam ziehen sie durch den Rücken und verbreiten sich im Körper. Entweder habe ich den Apfel nicht vertragen oder aber der ganze Tag fühlte sich Scheiße an

28.01.2020

Manchmal frage ich mich, wie ich es schaffe, morgens in den Tag zu starten. In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte ich einen Traum geträumt, der mich gefühlt die halbe Nacht rennen ließ. Ich war mit einer früheren Freundin, die ich bestimmt schon 30ig Jahre nicht mehr gesehen hatte, auf der wunderschönen Insel Teneriffa.  Unser Urlaub neigte sich dem Ende zu und es ging an das Kofferpacken. Ich öffnete meinen Schrank und erschrak riesig.  Er war so voll, dass mir sofort klar war, dass ich all die Dinge nicht in meinen einzigen Koffer rein bekommen würde. Mutig fing ich an, es zu versuchen - aber die Dinge im Schrank schienen sich  automatisch zu vervielfältigen. Langsam krabbelte die Panik in mir hoch. Alles war mir so wichtig!

Ich hatte ja doch nur diesen einen Koffer und ich würde ganz sicher, meine Sachen nicht eingepackt bekommen. Aber das Zimmer musste ja zu einer vorgegebenen Zeit geräumt werden. Ich überlegte, ob ich meinen Urlaub verlängern sollte, bis ich eine Lösung für mein Problem gefunden hatte. 

Aber um so länger ich darüber nachdachte, umso aussichtsloser wurde meine Situation.

Der Flieger, mit samt der Freundin war inzwischen fort - ich pendelte zwischen dem Glücksgefühl , noch einmal an den Strand gehen zu können und der Angst, die Situation nicht bewältigt zu bekommen.

Das ganze Chaos endete schließlich damit, dass ich nach einem Strandbesuch mein Hotelzimmer nicht mehr fand und auch keine Telefonnummer bei mir hatte, um jemand nach der Adresse zu fragen. 

Ich irrte durch die Gassen von Puerto  und mein Gang wurde immer schneller. Irgendwann war die Angst, nicht mehr zurück zu finden, so groß, dass ich rannte  - ich rannte irgendwie um mein Leben!

Keine Ahnung, wie lange ich wohl in dieser Nacht rannte - aber ich weiß, dass es nicht die erste Nacht war. 

Am nächsten Abend bin ich total müde - ich schlafe immer wieder auf dem Sofa ein und beschließe schließlich ins Bett zu gehen. Oskar hatte sich mal wieder in Richtung Nachbarn verabschiedet und war noch nicht zurück. Ich rief ihn noch zweimal - aber kein Oskar kam und ich dachte mir, dann musst du halt draußen bleiben. Da ich ja aber in jeder Nacht noch mal zum Klo muss, rufe ich Oskar bei der Gelegenheit rein. In der Regel  liegt er in der Maueröffnung unter Manni's Fenster und kommt kreischend - froh darüber, dass ich ihn endlich rette, hinein!

Als ich nun in dieser Nacht aufwache und hinuntergehe, die Tür öffne und mit meiner Taschenlampe leuchte, ist da kein Oskar. Aber ich höre ihn aus der anderen Richtung schreien. Kurz überlege ich, was ich machen soll. Bin mir darüber bewusst, dass ich schwer wieder einschlafe, wenn ich jetzt über den Hof renne. 

Aber ich kann nicht anders - ich ziehe die Gummistiefel an und renne im Schlafanzug - nachts um 2:30 Uhr, bei strömendem Regen, über den Hof, auf die Terrasse meiner Nachbarin.

Ich hatte ja befürchtet, dass er Stress mit Pico hat - aber Pico kann ich nicht sehen! Stattdessen sitzt mein Frickel vor der Terrassentür  und brüllt diese an.  Ich sage ihm, dass es jetzt echt reicht und das er nach Hause kommen soll. Aber Frickel interessiert mein Gelaber nicht und ich muss ihn mir schnappen. 

Nun ist denn Oskar endlich zuhause. Er legt sich neben mich auf die Bettdecke. Alles wäre bis hierhin noch halbwegs gut. Aber ich habe inzwischen vor lauter Ärger solche Schmerzen im Körper, dass ich nicht mehr liegen kann. 

Eine Stunde später stehe ich auf und lege mich im Wohnzimmer auf das Sofa. Es braucht keine 10 Minuten und Oskar kommt hinterher!

Auch Minki war aufgestanden - sie dachte, der Tag beginnt!

Ich wälzte mich den Rest der Nacht auf den Sofa herum - um 5:15 Uhr fing Oskar wieder das Generve an. Ich ließ ihn raus und ich bin sicher, dass er zur Nachbarin zurück lief. Matthias steht um diese Zeit auf und wird Oskar sicherlich mit ein paar Leckerlis begrüßen. Um 6:30 steht er wieder an der Tür und will rein. Ich koche mir einen Kaffee und weiß, dass mit diesem Szenario jetzt Schluss ist.

Oskar liegt den Tag über schlafend im Bett -  als ich nach Hause komme,  geht er raus und ich lasse ihn nicht mehr rein! Meiner Nachbarin habe ich noch einmal gesagt, dass ich ihr Oskar schenken  möchte und das sie anfangen soll Verantwortung, für ihr Verhalten zu übernehmen. Seit 2 Jahren  meint sie sich rührend um "Flecki" kümmern zu müssen - das ist fein, dann  aber bitte  auch mit allem , was dazu gehört. Nun fällt ihr plötzlich ein, dass Oskar ja doch mein Kater ist! Sie verspricht nun, ihn nicht mehr reinzulassen und ihm auch kein Futter mehr zu geben.

Okay

Oskar sitzt im strömendem Regen draußen - ich höre ihn an der Tür. Er wird warten, bis ich aufstehe ...

30.01.2020 

Wir nähern uns mit riesigen Schritten dem 5. Februar - ein Datum, das ich nie vergessen werde. Nicht nur, das meine Mutter gestorben ist, nein ...

ich musste  realisieren, das ich nicht mehr zur Familie gehöre. 

Im Jahr 2020 kommt am 5. Februar der Heizungsableser und meine Teambesprechung fängt eine Stunde früher an - ich frage mich, ob Mutti jetzt eigentlich zwei oder schon drei Jahre nicht mehr da ist! 

Sie ist in 18 gestorben ...

Ist ja ein Ding - wir haben schon den 20igsten Februar und ich habe noch keine weitere Eintragung gemacht. Da bin ich wohl wieder ins Rennen gekommen - wollte ich eigentlich nicht mehr ...

27.02.2020 - Als ich Minki heute morgen die Terrassentür öffne, damit sie trinken gehen kann, höre ich zum ersten mal nach einer Ewigkeit den Star vom Dachgiebel sein Lied trällern. Es ist derart melodisch und so typisch für den Sommer, dass mir das Herz aufgeht. Natürlich regnet es wieder - alles ist grau in grau. Ich glaube, die Wetterfee hat Depressionen in diesem Winter. Dann höre ich auch noch einen Trupp Kraniche - sie ziehen über den Hof hinweg , sie fliegen niedrig. Setzen wohl zur Landung auf einem der umliegenden Felder an. Wenn nun noch die Rotschwänze zurück kommen, dann steht das Frühjahr vor der Tür!

24. Februar 2020 - Bergfelde

Ich bin erstaunt - ruft mich Elsa an, obwohl wir doch erst gestern miteinander gesprochen haben. Irgendwie kann das nichts Gutes heißen. Das "Irrenhaus" fordert mich heraus und ich höre die Nachricht nicht ab, ich will gerade nicht wissen, wo nun schon wieder der Hammer schief hängt!

In der Nacht schlafe ich kaum -  ich wälze mich von einer Seite zur Anderen - gehe die Auseinandersetzung im Irrenhaus noch einmal durch - mein Körper, meine Knochen fangen mich an zu schmerzen - keine Ahnung, wie ich noch liegen kann!

Dann fällt mir auch noch zu allem Überfluss die Nachricht von Elsa ein: Es wäre sinnvoll, wenn ich meine Adresse dem Herrn  Notar "Schnödeldöddel" mitteilen würde!

Was bitte, habe ich mit Herrn "Schnöddeldöddel" zu tun? Im Laufe der Nacht rege ich mich derart auf, dass ich Elsa zurück schreibe, mit der Bitte mir zu sagen, was denn das jetzt soll! 

                                                                                                                In den folgenden Tagen komme ich nicht dazu, den Notar anzurufen

27. Februar 2020 - Anruf von meiner Schwester 

Elsa hatte sie auch angerufen und nun gilt es, einen gemeinsamen Schlachtplan zu entwerfen. So langsam springt mich die "Unglaublichkeit" an!

Es waren einmal meine Großeltern - mein Opa ist am 7. Juli 1912 in diesem Haus geboren. Paul - Opas Vater - habe ich wohl noch kennen gelernt. Er ist 1965 gestorben. Ich habe durch mein gesamtes Leben abgespeichert, wie weich und nett er gewesen war. Sollte ich mich irren, möchte ich es nicht wissen!

Opas Mama - Elsa Martha- habe ich nie kennen gelernt. Sie ist nicht so alt geworden - sie ist in 1928 bereits gestorben!

Opa, sein Bruder Günter und seine Eltern haben  in diesem Haus in der Dorfstraße gelebt, bis sie ihre "Frauen" kennengelernt haben. 

Unser Opa hat unsere Oma lieben gelernt und sie sind zusammengezogen - in das Haus gerade rüber ... in Bergfelde!

Nun erfahre ich ......................................................................das ich im im Rahmen einer Erbengemeinschaft - involviert bin. 

Ehrlich gesagt, könnte ich am Daumen lutschen und an irgendeinem Klettergerüst  "Kunststücke" vorführen!

Das Haus hat Wilhelm Biermann gehört. Wilhelm wurde seinerzeit von einer Dame Namens .... gepflegt. Aus tiefem Dank heraus, hat Wilhelm ihr das Haus testamentarisch zugesprochen. Später hatte man durch die Kriegswirren dieses Testament nicht mehr gefunden und damit ist der Besitz die normale Erbfolge angetreten.


Im Zeitalter von Corona

Ich weiß gar nicht - letzte Woche war meine Welt noch fast in Ordnung - diese Woche, habe ich kein Klopapier mehr! Wann habe ich blos vergessen, mir die Hände zu waschen?

Eigentlich soll  hier in meinem Tagebuch "öffentliches Leben" nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr ist es mein Interesse,  Dinge fest zu halten, die in meinem Alltag relevant sind und mich in irgendeiner Weise berühren. Lange schon, werde ich meinem eigenen Anliegen nicht mehr gerecht. Mir fehlt oft die Zeit und manchmal auch die Kraft, mich mit meinem "Tagebuch" zu beschäftigen.  Eigentlich formuliere ich viele Texte über den Tag, aber ich schreibe sie nicht auf!

Jetzt aber sind wir alle mit Corona beschäftigt und ich auch seit 2 Tagen ganz persönlich  - nein, noch habe ich mich nicht infiziert und eigentlich glaube ich auch nicht, das ich mich infizieren werde. Aber um mich herum hat sich die Welt verändert.

Die Schulen und die Kindergärten sind geschlossen worden - es gibt keinerlei "öffentliches Vergnügungen" mehr - der Hamburger Frühjahrsdom abgesagt. In den Lebensmittelläden leere Regale - kaum ist noch irgendetwas zu bekommen - Toilettenpapier ist heiß begehrt. Ehlers hat die Ausgabe - sollte sich das Regal noch einmal auffüllen - auf zwei Packungen pro Einkauf , beschränkt . Heute Abend war ich noch einmal kurz da, um etwas Obst zu kaufen - alles leer - einzig ein paar Tomaten waren noch zu bekommen. Ein Anblick, den ich noch nie erlebt habe. Die Welt im Ausnahmezustand!

Gestern Abend (Freitag) Feierabend - trotz irrsinnig niedriger Benzinpreise - Pakistan hat trotz der anstehenden weltweiten Wirtschaftskrise, seine Ölpreise weiter gesenkt. Ich habe die Brüder noch nie verstanden - aber für 1,06 zu tanken, ist ein Träumchen! Nichts los auf der Tankstelle - ich stehe da ganz alleine!

Ja, wir Deutschen haben Gehorsam gelernt!

Heute nun, werden viele Grenzen geschlossen. Die USA hat schon für Europäer ihre Grenzen ab Freitag dicht gemacht. Elsa ist gerade noch so in Richtung Florida gestartet und auch angekommen. 6 Stunden später wäre da nichts mehr gegangen!

Ich bin  von der Situation nun doch ein wenig "genervt" - was steht uns da noch bevor - wann normalisiert sich alles wieder? Es gibt auf der Straße kein anderes Thema mehr. Die Einen martern sich den Kopf - die Anderen lachen sie aus! Ich finde beide Sichtweisen mittlerweile unerträglich!

Vor einiger Zeit habe ich "Narziss und Goldmund" gelesen - die "schwarze Pest" wütete und raffte die halbe Menschheit weg! Heute sind wir schon ein Stück weiter in der Medizin - es gibt zwar noch keinen Impfstoff für Corona - aber man kann das  soziale Leben gewissermaßen "einfrieren". Ich hätte das nie für möglich gehalten!

Es ist mir inzwischen unerträglich, welche geballte Ladung an Scheiße zum Thema Corona gelabert wird! Da sind diese widerlichen Typen, von denen ich mich frage, ob sie eigentlich noch leben. Sie finden alles gut - sie haben für alles Verständnis und tragen ihre Last mit Vergnügen. Das sind die "Entschleuniger"  - sie hauen ihre Phrasen runter, das mir ganz übel wird!

Und dann gibt es diese Typen, die  mit erhobenem Finger daraufhin weisen, wie gut es uns doch geht - und das wir uns doch wohl mal für eine kurze Zeit  einschränken können! Was haben unsere Eltern für ein Leid ertragen müssen ... !!! Ich befürchte, sie glauben den Mist, den sie da von sich geben!

Und dann gibt es die Typen, die gar nichts mehr merken - sie bewegen sich "cool und frei", würden sich in jedes Cafe setzen, dass da auf hat und glauben noch immer, das alles  Panikmache ist!

Und dann gibt es die Leute, die noch den Schmerz spüren - auch sie wissen, dass alles eine "Gradwanderung" ist, aber  sie würden sich so gerne in ihrem Schmerz ernst genommen fühlen. 

Ich möchte mich nicht "entschleunigen", ich möchte nicht "undankbar sein", mir fehlt kein Cafe - ich möchte einfach nur traurig sein dürfen. In ein paar Tagen habe ich meine Traurigkeit "verarbeitet" und dann werde ich andere, neue Wege finden und für mich und meine Mäuse da sein!

Und ja, mir macht die Situation Angst - noch nie, habe ich erlebt, das der Hafengeburtstag abgesagt ist, das die Fußball EM nicht stattfindet - die Olympischen Spiele in Tokio in Gefahr sind ...

Ich bin ein naturverbundener Mensch - mir reicht über weite Zeiten "meine Lüneburger Heide" - gerne fahre ich ab und an in die Wedeler Marsch oder ins Wendland - wenn mir DAS alles genommen ist, dann werde ich echt unruhig!

                                                            Das Foto stammt aus dem Zoo Hellabrunn - es zeigt einen der beiden Brüder: Quinn oder Quentin?

Die Geschichte mit dem Erbe hat sich erledigt - es ist ein Testament aufgetaucht - mehr möchte ich hierzu nicht schreiben! Dennoch hätte ich Bock, mir das alles einmal anzusehen. Aber im Zeitalter von Corona fährt man nicht mal eben mehr irgendwohin. Mal sehen ...

20.03.2020 und die nächsten Tage

Was für ein Glück, dass noch ein recht ansehnlicher Trupp Kraniche vor der Haustür verweilt, so kann ich mir die Zeit ein wenig vertreiben. Ich war nun seit vier aufeinander folgenden Tagen auf den umliegenden Feldern unterwegs - sie haben ihre Rückkehr zum Schlafplatz in dieser kurzen Zeit von 18:00 auf 19:00 Uhr ausgeweitet und sie haben immer wieder einen anderen Ausgangspunkt, bevor sie Richtung Sonnenuntergang verschwinden. Es wird mit Sonnenuntergang richtig kalt dieser Tage und ich bin ordentlich durchgefroren, wenn ich wieder zu Hause ankomme.

Mich von dem Frühjahr 2020 zu verabschieden fällt mir unendlich schwer -die ganze Vogelbrutsaison geht für mich verloren. Aber ich spüre auch, dass es gut tut, zur Ruhe zu kommen - mich mit Dingen wieder einmal zu beschäftigen, für die ich sonst keine Zeit gefunden habe. Das ich aber nicht mehr im Harz angekommen bin, macht mich sehr traurig. Da hat es eigentlich seit Oktober durchgeregnet - seit Sonntag, den 22. März scheint unaufhörlich die Sonne. Der Tag, an dem wir gestartet wären. Wieder alles richtig geplant! Nur mit dem Corona Virus und seinen Folgen, hat wohl niemand gerechnet. Übernachtungen aus touristischen Zwecken sind in  in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen verboten worden. Für die Nord - und Ostsee kann ich das begreifen - aber das auf jedes Kuhdorf zu übertragen, finde ich grenzwertig. Da hat man die gesamten Frühjahrsferien laufen lassen - die Leute sind in Scharen in die Krisengebiete nach Italien und Spanien gefahren und kaum sind sie zurück, stellt man fest, dass die Anzahl der Infizierten mega ansteigen wird, weil ja nun alle Rückkehrer als Risikofaktor gelten. Ich kann nicht glauben, dass das den zuständigen Behörden tatsächlich erst mit Ende der Frühjahrsferien aufgefallen ist.

Aber es ist ja auch letztlich egal - wir dürfen nirgendwo mehr hinfahren. Man freut sich, dass es (noch) keine Ausgangssperre

gibt , sondern nur ein Kontaktverbot.  Was für eine Zeit!

"Bleibt gesund" - ist der neue Slogan in diesem Jahr 

Neulich bin ich Ben begegnet. Ben ist der Hund einer Familie, die gegenüber wohnt.

Meine Erinnerungen an Ben sind sicherlich gute 15 Jahre her und vielleicht habe ich ihn das letzte Mal gesehen. Er lief sehr langsam, unangeleint, hinter seinem Frauchen die Straße entlang. Das Bild hat mich berührt. Im Nachhinein denke ich, ich hätte anhalten sollen und Ben noch einmal begrüßen. Aber in diesem Augenblick gingen mit tausend Bilder durch den Kopf ...

 

Bens Zuhause wurde nur durch eine Wiese von meinem Zuhause getrennt. Als junger Spunt kam er regelmäßig zu mir rüber gerannt und stand dann mit sich überschlagender Rute, bei mir im Wohnzimmer - ich denke nicht, dass er mich besonders gemocht hat - er war einfach nur unglaublich menschenbezogen und freundlich! Ich habe mich immer sehr gefreut, wenn er kam - das hat er sicherlich gespürt. Eigentlich hätte ich gerne wieder einen Hund damals gehabt - mein Vermieter hat aber Angst vor Hunden und so hat er es rigoros verboten - um so mehr freute mich Bens Besuch. Meine Katzen war nicht ganz so begeistert wie ich. Wenn ich von der Arbeit kam und sie zunächst etwas verstört vorfand, war mir klar, das Ben versucht hatte mit ihnen zu spielen.

Viel habe ich ihn beobachten können, als er mit den Söhnen Fußball im Garten spielte. Seine Freude darüber, war bis zu mir zu spüren. Fußballspielen war überhaut das Größte für ihn. 

Manchmal musste er auch im Dorf "eingefangen" werden - da hat er sich schon mal alleine einen Spaziergang gegönnt. 

Einmal sah ich auch, wie er mit den Schafen spielte. Die Familie besaß ein paar Schafe, die sie in einem Gehege auf dem Grundstück hielten. Auch sie wollten mal den Duft der Freiheit atmen. Wie genau, sie es angestellt hatten, weiß ich nicht - aber sie turnten etliche Zeit auf der Wiese herum und Ben hatte seinen größten Spaß mit ihnen.

Ben strahlte einen unglaubliche Lebensfreude aus,  nur an der Leine gehen, das konnte Ben nicht - er zerrte sein Frauchen durch die Gegend, sodass sie mir oft leid tat.

Lange Zeit habe ich Ben dann aus den Augen verloren. Mein Vermieter hatte die Wiese zu einem Maisfeld umgewandelt und Ben konnte nicht mehr rüber kommen. Außerdem war ich im Zuge meines Hobbys viel unterwegs. Fast hatte ich ihn vergessen bzw. war ich sicher, das er nicht mehr leben würde.

 

Heute nun, ist alles Leben in ihm erloschen - er kriecht im Schneckentempo hinter seinem Frauchen her und es wird einer seiner letzten Spaziergänge sein.                                                                         März 2020


Ganz vorsichtig und zögerlich mache ich mich auf den Weg zum Pietzmoor nach Schneverdingen. Gerne würde ich einmal schauen wollen, ob ich einen Moorfrosch sehe! Nein, ich sehe keinen Moorfrosch

 

Aber es begegnet mir ein Herr, der mir erzählt, dass ich ca. eine Woche zu spät bin! Ich bin ganz fassungslos. Er sagt, durch den trockenen Sommer, letzten Jahres und durch den warmen Winter, wäre die Zeit, für die Moorfrösche sehr früh gewesen und es habe weit weniger gegeben , als in den Jahren zuvor! Also langsam frage ich mich, ob ich es je schaffe, einen Moorfrosch zu sehen - vom fotografieren wollen wir abesehen!

Wenn ich nicht nach den Vögeln sehen kann, muss ich mir etwas anders suchen.  Lasse ich also mein Autoradio duch die Lüneburger Heide fahren. Eigentlich ist die Heide Naturschutzgebiet und für Autos gesperrt. Aber mein Auto hat eine Sondergenehmigung!

Ein wunderbar beschissener Tag heute -  6. April 2020

An manchen Tagen stresst mich mein Job mega - aber nicht wegen der Menschen, die in der Einrichtung leben. Stressen tun mich die ganzen Wichser, die mit geballter Arroganz und Ignoranz ihren Job genau so gut machen, dass man ihnen kaum an das Schienbein pinkeln kann.  Da telefoniere  ich die  letzte Woche mit so einem "Hirn" aus der Eingliederungshilfe und versuche ihm zu sagen, dass es jetzt an der Zeit ist, seinen Job zu machen. Seit 2 Monaten liegt die Akte in den "Rückläufern" - ich kann von Glück reden, dass das "Hirn" sie überhaupt gefunden hat!   Im weiteren Verlauf, formuliere ich deutlich, dass der junge Mann nicht mehr versichert ist, weil das "Hirn" seine Arbeit nicht macht. Dass der junge Mann aber dringend Medikamente benötigt, die nicht mehr  gekauft werden können. Nun , das motiviert den Hirnlosen genau soweit, das er sein Telefon auf eine automatische Anrufansage umstellt und ich ihn nicht mehr erreiche. Komme ich also an dieser Stelle nicht weiter - es sei denn, ich schmeiße  - kurz vor Ende meiner Berufslaufbahn - doch noch eine Bombe ...

Mache ich natürlich nicht!

Dieserlei unschöne Post kommt heute noch mehr - von der Krankenkasse z.B.  - auch sehr nett!

 

Zuhause läuft mein Internet seit gut 2 Wochen nicht mehr vernünftig. Mein Anbieter  hat aber irgendwelche Leitungen geprüft und ist der Ansicht, dass alles schick läuft. Nein, hier läuft gar nichts schick! Muss ich mich also auch streiten und stark machen.

 

Mein iPad ist auch nicht in Ordnung - aber ich konnte wohl heute mein Problem damit deutlich machen. Was für ein Erfolg ...

 

Bin ich nervös, weil meine Minki bei diesem schönen Wetter heute drinnen bleiben muss. Sehr wahrscheinlich sind das unsere letzten gemeinsamen warmen Tage und ich habe ihr versprochen, für sie da zu sein! Und nun sitze ich hier und halte mein Versprechen nicht. Es macht mir Mühe , zu akzeptieren, dass so ein "Hirnloser",  letztlich mehr Gewicht hat, als mein Minkimädchen.

Auf dem Weg nach Hause höre ich im Radio die Nachricht, dass aus dem Rudel Wölfe  in der Lüneburger Heide erneut zwei Wölfe zum Abschuss freigegeben worden sind. "Sie haben den Riss mehrerer Schafe zu verantworten"  Wenn ich heute über den gesamten Tag, versucht habe, immer wieder runter zu kommen - diese Nachricht schürrt in mir unglaubliche Wut!

Wie können Tiere für ihre Nahrungsbeschaffung verantwortlich gemacht werden - verantwortlich ist der Mensch. 

Versuche ich mit Minki noch ein bisschen spazieren zu gehen. Sie rennt von der  Terrasse  zur gegenüberliegenden Scheune  und ich kann sie nur im letzten Augenblick stoppen. Eigentlich will ich mit ihr auf die Wiese - aber es ist nichts zu machen. Sie rennt an der Scheune entlang und bleibt vor der nächsten Tür stehen. Da hockt sie und bewegt sich nicht weiter. Ja, so ist das! Minki hat immer wieder so komische Ausfälle. Ich kann mich noch gut an "Dicken Kalb" erinnern. Als er immer wieder versuchte sich im Swimming Pool zu ertränken, habe ich ihn gehen lassen. Ich habe unglaubliche Angst meine letzte Katze zu verabschieden. Minki beendet Zeitgeschichte!

Karfreitag  10. April - ein schöner sonniger warmer Tag! Ich hole Oskar gegen 5:00 Uhr morgens rein - wir rennen beide die Treppe hoch. Schließlich gilt es den größeren Teil der Bettdecke zu bekommen. Oskar ist natürlich vor mir oben, aber er rückt freundlich.  Wir schlafen weiter bis kurz vor 8:00 Uhr  - dann kräht Minki und verlangt ihr Frühstück. Wenn sie wüßte , dass ich da all ihre Medikamente rein schmeiße, würde sie vielleicht nicht herum schreien und mich wach machen! Aber ich bin ja froh, dass sie sie so problemlos nimmt. Eigentlich hat Minki immer gemäkelt - ihr irgendwas heimlich unterschieben , konnte man komplett vergessen. Immer habe ich den Moment gefürchtet, in dem Minki altersbedingt Medikamente braucht - nie hätte ich gedacht, dass wir da irgendwas hin bekommen würden. Und heute ist es so, dass Minki mich aus dem Bett kräht, um zu "Frühstücken".  Eigentlich wäre es an der Zeit, mit mehr Zuversicht in den Tag zu starten.

Oft habe ich vor "Aufträgen" Sorge sie nicht zu schaffen und schließlich mache ich sie ohne weiter darüber nachzudenken und bin erstaunt, wie  gut alles geklappt hat.

Minki hat ja vielleicht noch ein paar Jahre Zeit, bevor sie geht!

Ansonsten werde ich durch die Coronageschichte langsam zur Hausfrau. Niemals wäre ich an so einem schönen Tag zu Hause geblieben. Aber es macht mir derzeit keinen Spaß irgendwohin zu fahren. Sicherlich könnte ich durch das Wendland fahren, aber wozu? Nirgendwo könnte ich einen Cafe trinken oder ein Eis schlabbern. Ich würde mit meinem Autokennzeichen die Aggression der Menschen auf mich ziehen. Was habe ich hier zu suchen, würde die Botschaft heißen. "Der Norden hält zusammen" ist der neue Slogan - nur Frau Biermann kann das nicht akzeptieren. Nein, ich habe keine Lust mich diesen Strapazen auszusetzen! Die Leute tun so, als gälte es für sie persönlich darum, eine mögliche Infizierung  um jeden Fall jetzt zu verhindern. Sie haben das Thema scheinbar immer noch nicht verstanden. Auch wenn die Einschränkungen allmählich aufgehoben werden, bleibt die Ansteckungsgefahr genau so hoch wie heute!

Ich habe mir vorgenommen, mich zu schützen, bis es einen Impfstoff gibt! Dann gucke ich weiter ...

Heute bin ich - nach bestimmt gut 25 Jahren - das erste Mal mit meinem Fahrrad durch die Heide gefahren:

 

Als Kind, hätte ich mir ein Leben ohne Fahrrad,  gar nicht vorstellen können.

Immer hatte ich mir ein Fahrrad gewünscht und immer hat meine Mutter mit den selben Worten meinen Wunsch abgelehnt. Ich würde ja schon ohne Fahrrad nicht aufpassen, mit Fahrrad wäre ihre Sorge um mich nicht auszuhalten. Offenbar meinte sie das wirklich ernst, denn ich bekam keines.

Als dann doch endlich mein erstes Fahrrad da stand - keine Ahnung mehr, ob es mein Geburtstag oder Weihnachten war - konnte ich mein Glück nicht fassen. Ich versprach natürlich alles, nur um meine Mutter ebenso glücklich zu machen, wie ich es in diesem Moment war!

Oft musste ich an diese Situation zurück denken, sie hätte mir das Fahrrad sofort wieder weggenommen, wenn sie gewusst hätte, wie ich damals  durch die Straßen von Berlin geradelt bin. 

Mein Ziel war es, dieses Fahrrad  zu einem Motorrad "umzufunktionieren" - ich wollte schnell sein - Strecke zurücklegen!

Zu diesem Zwecke hatte ich mir eine Rallystrecke zurecht gelegt. Sie ging von Charlottenburg Deutsche Oper die Bismarkstraße entlang - vorbei am Lietzenseepark (den mochte ich immer sehr) - durch den Theodor-Heuss-Platz auf die Heerstraße. Irgendwann bog ich links ab und flog den "Am Postfenn" entlang bis zur Havelchausee. Ich kann mich heute nicht mehr genau erinnern, wo ich gedreht bin - vielleicht bei der "Alten Liebe".

Dort angekommen ging es - ohne Luftzuholen - wieder zurück nach Charlottenburg! Schweißgebadet, aber sehr glücklich mit mir, nahm ich die Zeit und ja, ich wurde immer besser!

So "radelte" ich mit meinem Fahrrad durch Berlin. Natürlich war der Verkehr damals noch nicht so heftig , wie heute. Ich glaube, wir waren Ende der 60iger oder Anfang der 70iger Jahre.

Einmal erinnere ich mich, dass ich ganz früh am morgen los bin - alle schliefen noch. Ich kam in einen Kreisverkehr (Gierkeplatz) und wollte mich in mein Fahrrad legen, wie ich es sooft bei den Motorradfahren bewundert hatte. Die lagen ja förmlich auf der Straße! Das wollte ich auch mal versuchen - gedacht, gemacht - schlinderte ich in den Kreisverkehr,  es waren noch keine Auots unterwegs, nur am Straßenrand parkten  einige wenige Autos! Ich, wie gesagt schlinderte mit meinem Motorrad in den Kreisverkehr, legte mich auf die Seite und knallte gegen das erste Fahrzeug -  unnötig zu schreiben, dass ich die Kontrolle über mein Fahrrad völlig verloren hatte! Ich schleuderte gegen das nächste Auto und blieb dort liegen.

Ich erinnere mich, dass sich meine Gedanken überschlugen: Sollte ich meinen Schmerzen Beachtung schenken  oder eher der Frage, was war mit meinem Fahrrad passiert ist ? - allerdings wäre es mir auch sehr peinlich gewesen, hätte mich  jemand beobachtet und über mich gelacht! Sehr viel später, ist mir erst aufgefallen, dass ich an den parkenden Fahrzeugen "Spuren" hinterlassen hatte. Aber eigentlich, war das meine geringste Sorge!

Ich stand auf, so gut es ging - mein Fahrrad war völlig verbogen und konnte nicht mehr geradeausfahren. Meine Knie bluteten heftigst. Ich biss allen Schmerz weg  und trug mein Rad nach Hause - ich war das unglücklichste Mädchen der Welt!

Aber immer bin ich wieder auf mein Fahrrad gestiegen.

Die nächste Situation ergab sich, als ich mit meinem Rad / Motorrad  auf einer vielbefahrenen Straße  unterwegs war. Es war Sommer und ich hatte so mörderisch Appetit auf ein Eis. Wieder gedacht, gemacht! Ich kaufte mir ein Eis und fuhr einhändig mit meinem Motorrad die vielbefahrene Straße entlang. Logischerweise auf dem Fahrdamm - Fahrradstreifen wäre meinem Motorrad echt nicht gerecht geworden. Ich sah schon von Weitem die Ampel auf rot springen und es fing in meinem Hirn an zu arbeiten! Wie könnte ich jetzt die Handbremse erreichen ohne das mein Eis Schaden nehmen würde. Den Gedanken dachte ich nicht mehr zu Ende - ich raste in den vor mir stehenden PKW und warf dann mein Eis weg!

Leider erinnere ich auch den Ausgang dieser Situation nicht mehr - außer , dass ich sie überlebt zu scheinen habe!

Die absolut heftigste Situation geschah noch nicht einmal mit meinem eigenen Fahrrad. Vielleicht hatte ich zudem Zeitpunkt auch kein "Fahrrad / Motorrad" mehr -  es könnte sein, dass meine "Mudda"  mir das Teil tatsächlich wieder weg genommen hat! Ich befürchte es.

Nun , ich war mit ein paar Mädels unterwegs - ich erinnere die vorangegangene Situation nicht mehr! Wir waren jedenfalls mit mehreren Fahrrädern unterwegs. Ich saß hinten auf dem Gepäckständer - wir rasten den Spandauer Damm entlang - es ging bergab, was für ein Spaß! Plötzlich kam das Rad ins Schlingern und verlor das Gleichgewicht - ich knallte mit dem Rücken auf die Fahrbahn und weiß nur noch, das ich sehr bemüht war, Luft zu bekommen. Das ist ein wahnsinnig schlimmes Gefühl,  wenn du Luft brauchst und da nichts mehr kommt!

In meiner Erinnerung lag ich dort eine Ewigkeit - ich habe keine Erinnerung an ein haltendes Auto oder an einen Krankenwagen. Ich sehe, das Gesicht meiner Freundin über mir, die mich anschreit! Und irgendwie krieche ich von der Straße und robbe mich nach Hause.  Nichts los, Oma - alles Gut!

Danach habe ich keine Erinnerung mehr an mein Fahrrad - das Thema Motorrad war wohl erst einmal abgegessen.

Irgendwie in diese Zeit gehört, dass ich jeden Sommer meine Ferien in Norwegen am Oslo Fjord in Hyggen verbracht habe. Bei Bernd und Gydda - einmal auch bei Annegret und Kjöre.  Norwegen ist ohne Fahrrad nicht zu denken und natürlich hatte ich dort auch ein Fahrrad.  Ich erinnere mich, das wir in Hyggen waren und das Tove einen neuen Freund kennengelernt hatte. Später hat sie ihren Finn übrigens geheiratet, ist ganz hoch in den Norden nach Norwegen mit ihm gegangen - ich habe niemals wieder etwas von ihr gehört! Meine Erinnerung an Norwegen sind eine andere Geschichte!

Jedenfalls wohnte Finn oberhalb Hyggens und manchmal bin ich mit Annegret hoch gefahren. An diesem Morgen war Annegret angenervt - sie hatte den Auftrag , Tove nach Hause zu holen. Ich weiß nicht mehr, ob es ihr gelungen ist. Ich jedenfalls bin mit dem Rad wieder zurück nach Hyggen und habe eine derartige Geschwindigkeit bergab bekommen, das ich nicht mehr bremsen konnte. Ich raste in den Fjord - über die Steine und blieb dann irgendwo am Wasser liegen.

Auch dieses Rad werde ich wohl geschrottet haben

Viele Jahre später waren meine Freundin und ich mit unseren Hunden unterwegs

und wieder stürzte ich heftigst mit dem Fahrrad . Dieses Mal war ich mit dem Hosenbein in der Kette hängen geblieben. Ich  wußte nie genau, was zu dem Sturz geführt hatte - das Hosenbein oder der dicke Sand, durch den ich versuchte durch zu kommen. Es war in dem Moment auch eigentlich egal - es war mega schmerzhaft und führte in der Konsequenz dazu, dass ich nie wieder auf ein Fahrrad gestiegen bin.

Aber meine Erinnerungen an meine Kinderzeit weckten in mir den Wunsch, es noch einmal zu versuchen. Zweimal im Jahr setzte ich mich auf ein Fahrrad  und sofort gingen die Bilder in meinem Kopf los. Ich verkrampfte mich vollkommen, wurde fast panisch, wenn auch nur ein Sandkrümel auf dem Weg lag. Natürlich fiel ich um ...

Eigentlich hatte ich das Fahrradfahren für mich komplett abgeschrieben. Bestimmt habe ich jedes Fahrrad mindestens 15 Jahre ignoriert. Ich bin  eher "die Wanderin" geworden - das habe ich irgendwie von meiner Mutter mitbekommen.

Als ich für meine Jungs im Irrenhaus in einem Laden diverse Fahrräder anschaffte, sah ich es: Mein Fahrrad! Ein paar Tage später kaufte ich es.  Und dann stand es hier. Meine Panik war nicht weniger geworden. Sie hatte sich vielmehr noch ausgeweitet.  So konnte ich auch einem mir entgegenkommendem Fahrrad nicht ausweichen - wenn ich hinter mir irgendwas hörte, fing ich derart an zu schlingern, das ich drohte umzukippen.  Kurz und grünlich: Ich hatte keine Schnitte, meine Angst irgendwie in den Griff zu bekommen. Fahrradfahren war für mich der pure Stress geworden!

Nachdem mein Fahrrad nun fast 5 Jahre in der Scheune gestanden hat, fing ich an, zu überlegen, ob ich es verkaufen sollte. Es muss sich ja hier wahrlich nicht kaputt stehen!

Aber Dank Corona und meinen Überlegungen, was ich in dieser "trostlosen" Zeit sonst noch machen könnte - ließen meine Gedanken wieder beim Fahrradfahren ankommen. Ich holte es aus der Scheune und gab uns beiden noch eine letzte Chance.

"Mann kann die Angst im Kopf besiegen!"

Ich bin über Ostern  58 Km durch die Heide gefahren. Anfangs war ich sehr darauf angewiesen, das mich keiner stört. Dank Corona, ist aber auch auf vielen Wegen in der Lüneburger Heide nichts los! Ich bin manchmal panisch vom Rad gesprungen und habe mir genau deshalb  weh getan. Offengestanden war ich einige Male kurz davor aufzugeben. Schließlich bin ich eine fast alte Frau, warum sollte ich Fahrrad fahren können, wie eine  junge Frau!

Aber ich glaube, die Angst hat Risse bekommen ....


Wieder einmal ist die gesamte Technik im Arsch. Mein Internet hat ein Upload nach dem sich manch einer alle 5 Finger schlecken würde - nur leider, kommt defacto nichts an!

Ich rufe unzählige Mal bei meinem Internetanbieter an und erzähle ihm, dass das Problem noch nicht behoben ist. Ich ahne schon, dass ich wieder erklären muss, worin  mein Problem liegt. "Leicht" angenervt, mache ich deutlich, dass wir nicht schon wieder bei Punkt null anfangen!

Nun gut, es nutzt aber nichts - sie sitzen an der Schaltstelle und alleine kann ich das Problem nicht lösen.

Also fange ich wieder an, der Dame zu erklären, dass die Uploadwerte nicht richtig sind - dreht die Dame mir das Wort im Mund um und sagt: Okay, ich melde an den Techniker, dass ihnen die Uploadwerte zu hoch sind.  Nun muss ich doch etwas lauter werden: Natürlich sind mir die Werte nicht zu hoch - aber sie kommen bei mir nicht an. Und ich frage die Dame, ob ich ein Studium machen muss, um bei ihr einen Fehler  melden zu dürfen und das ich nicht möchte, dass sie denkt: "Ach die  Alte, weiß wahrscheinlich nicht, wovon sie redet! " Also ich denke - also ich meine: Ich war jetzt richtig in Fahrt! Sie entschuldigt sich und fängt an, ihre Arroganz und ihren Zynismus zu zügeln. Im weitern Verlauf unseres Telefonats  wird sie etwas zugänglicher.

In den nächsten Tagen, versuche ich immer mal wieder ein Bild hochzuladen, um zu überprüfen, ob sich was getan hat.

Dieses wunderschöne  Kuhbild  gehört dazu.

Heute habe ich gelesen, dass der Leipziger Zoo am 3. Mai wieder öffnet - fast hätte ich geheult vor Freude!

"Knödel - Gaudi" - kann sich heute kaum noch einer vorstellen! Aber ehrlich, ich mochte es noch nie!

7. Mai 2020

"Corona kann mich mal!" Gestern stand ich auf der A 7 in Abfahrt Heimfeld das erste Mal im Stau. Willkommen zurück!

 

Heute nun, sieht es so aus , als würden wir diesmal nach Helgoland kommen - Andrea hat jedenfalls die Fähre vorsorglich gebucht - nach dem Motto: Wer zuerst kommt, malt zuerst! Ich habe natürlich sofort Erika angerufen und gefragt, ob sie sich wohl um Minki und Frickel kümmern würde. Wie all die Jahre  bekomme ich sofort eine positive Antwort zurück. Ich freue mich wirklich sehr und doch muss ich kurz an Minki denken. Seit sie nun blind und taub ist, sind wir noch näher zusammen gerutscht. Minki folgt mir auf Schritt und Tritt - sie orientiert sich sehr an mir. 

Wir gehen zusammen in die Heia . Minki "vergräbt" sich in meinen Haaren - gegen 5.00 Uhr morgens hole ich Frickel rein. Er schmeißt sich auf die Bettdecke und wartet darauf, dass ich ihn an die richtige Stelle schiebe. So schlafen wir noch ein paar Stündchen - bis der Wecker klingelt oder Minki, der Ansicht ist, dass es nun Frühstück geben sollte.

Ich befürchte, dass es für Minki schwer ist, wenn sie meinen Geruch nicht mehr wahrnimmt. Andererseits habe ich auch nur dieses eine Leben und es sind wenige Tage. Es wird gut gehen - wie immer!

"Wenn die Kraft zu Ende geht, die Seele ihre  Flügel ausbreitet und nach Hause fliegen möchte, ist die Erlösung eine Gnade!"

 

Osiris  - 27. April 2020

Wir haben nun mittlerweile Mitte Juni - der Sommer ist da! Corona ist auch noch da, aber so langsam gibt es auch wieder andere Themen, die uns beschäftigen. Unseren Helgolandurlaub konnten Andrea und ich tatsächlich diesmal antreten. Alles natürlich mit Einschränkungen und Schutzmaske. Aber es ist zu merken, wie leid die Leute diese Dinger sind. Sie ziehen ihre Maske bequem unter das Kinn, um ein erneutes Anlegen, beim Betreten des nächsten Geschäftes, so kurz wie möglich zu halten. Andere zerknüllen ihre Maske und tun sie zum Schneutztüchlein in die Hosentasche. Alles sehr kontraproduktiv, wie man die Herren Wissenschaftler sagen hört. Eine handvoll Leute verteidigen nach wie vor die Maskenpflicht - jeder muss das halten für sich, wie er meint, dass es richtig ist. Die Herrn Wissenschaftler sind leider so zerstritten in ihrer Meinung um diesen Virus, dass es keine verwertbare Aussage zum Thema gibt - so sehe ich das!

Während die Einen mit drohendem Zeigefinger den erneuten Ausbruch des Virus in Asien bekanntgeben, machen die Anderen ihre Grenzen wieder auf  und fahren runter. Allemal sind bei der gesamten Diskussion um das Thema, die wirtschaftlichen Interessen viel zu kurz gekommen. Wer hat ein Interesse, woran?! Darüber wird noch immer nicht öffentlich gesprochen.

 

Ich denke, es wird Zeit wieder im Leben anzukommen - gerne mit Händewaschen! 

Ich finde die gespaltene Situation in der Bevölkerung kurz vor unerträglich. Menschen haben vor Menschen Angst!

Aber doch auch nicht soviel Angst, dass man nicht brav, beim Besuch eines Restaurants seine Telefonnummer und Adresse hinterlässt. Davor habe ich nun Angst!

Gestern war ich in einem kleinen Ort beim Chinesen mit einer Freundin essen. Die Bedienung kam angerannt, stellte  Desinfektionsmittel auf den Tisch und einen Din A 4 Ordner und bat uns, unsere Adresse mit Telefonnummer dort einzutragen. Als ich den Ordner öffnete, waren einige Blätter darin, die wahrscheinlich seit Beginn der Maßnahme, die Besucher des Restaurants festhielten. Ich war echt erschrocken !

Während dieser gesamten "Vorstellung" ist mir mit jedem Tag wieder bewusst geworden, welche Rolle bzw. welche Macht, die sozialen Medien haben. Schon als junge Frau, habe ich das Buch " Die verlorene Ehre der Katharina Blum" gelesen und mein ganzes Leben hindurch nicht mehr vergessen.

Ich bin gespannt, welche emotionalen und sozialen Folgen aus dieser Krise entstehen werden,  die finanziellen Folgen sind in jedem Fall kaum zu denken!

 15.06.2020  - Heute nun ist es jedenfalls Montag. Herr Frickel hat ein Loch im Kopf und wir sind auf dem Weg zum Tierarzt. Kurz hinter der Kreuzung liegt ein tot gefahrener Igel - seine Gedärme von Krähen bereits🤢 über der Straße verteilt. Einen völlig unversehrten Fuß hat er in der Höh - dieser Fuß ist eigentlich das Erste, was man wahrnimmt an dem Haufen Matsche! Ein böser Anblick - am meisten berührt mich allerdings die Tatsache, dass es sich um unseren "Hofigel" handelt. Im Frühjahr habe ich ihm mit Katzenfutter versucht das "Aufwachen" zu erleichtern. Dann sah ich ihn im Vogelhäuschen sitzen - er war groß! Später habe ich das Vogelhäuschen aufgefüllt und sah an der darin liegenden  "Kacke", das er auch in dieser Nacht da gewesen war.  Irgendwie hat mich der kleine Puschel den ganzen Tag beschäftigt! Nun liegt er auf der Straße, weil irgendein Dorfdepp mit erhöhter Geschwindigkeit  und mit Gedanken, an den nächsten Sommerurlaub, ihn einfach tot gefahren hat! 

 

Ich habe ihn übrigens - nach meinem Tierarztbesuch von der Straße geholt ...

 

Wirklich verwundert war ich, dass mich später Christhard angesprochen  und mich gefragt hat, ob ich den tot gefahrenen Igel schon gesehen habe. Er war erbost und sagte, dass diese Strecke gut einzusehen gewesen wäre und dass da jemand echt nicht aufgepasst habe. Er wirkte tatsächlich empathisch. Überhaupt hatte er heute seinen Tag. Er kam nämlich wieder mit seinem Bunsenbrenner aus der Scheune und ich bat ihn, nicht noch mehr von meiner Terrasse abzubrennen. Erst antwortete er in bekannter Weise, dass er ja kein Gift spritzen dürfe! Ich muss einen sehr abweisenden Gesichtsausdruck gehabt haben, weil er kurz darauf einlenkt und sieht, dass das was er da abgebrannt hat, scheiße aussieht. Das sei ihm Ausversehen passiert, weil ich den Gulli nicht sauber halte.  Nun gut - aber warum er all die kleinen Erdbeerpflänzchen mit abgebrannt hat, frage ich ihn nicht. Ich weiß, dass er nicht gut gucken kann - schon vor ein paar Jahren hat er Schwalben im Pferdestall entsorgt, weil er nichts gesehen hat.  Deshalb sind nun wohl auch die Erdbeerpflänzchen verschwunden. Wenn man sich das Ganze so überlegt, dann ist es ja das pure Glück, dass auf meiner Terrasse überhaupt noch ein Busch steht

3.07.2020

Eine irrsinnige Woche geht zu Ende! Es fällt mir schwer, irgendeinen Anfang zu finden. Ich denke, es ging um Oskar. Vor ungefähr 2/3 Jahren waren in der hinteren Wohnung Leute eingezogen, die aus mir unerklärlichen Gründen davon ausgingen, das Oskar kein Zuhause hat. Sie tauften ihn für sich auf den Namen "Kuhflecken" und versuchten ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Schon damals war Oskar ein toller Kater und sehr menschen bezogen! Ich bemerkte die Veränderung, weil Oskar nicht mehr unsere Rituale einhielt. Ging ich also auf die Suche nach dem Grund dafür. Irgendwann sah ich, das Oskar in die Wohnung dieser Leute ging. Ich sprach sie an und die Frau erklärte mir, dass das "Kuhflecken" sein würde! Völlig sprachlos erwiderte ich ihr, dass das nicht Kuhflecken sein würde, sondern mein Oskar und das der mir gehöre.

In den nächsten 2 Jahren sind komische Geschichten entstanden, die ich hier nicht beschreiben kann, weil sich die Ereignisse oft überschlugen.

Matthias hatte sein Ritual mit Oskar morgens um 5:00 Uhr. Da stand er nämlich auf und rauchte draußen seine erste Tageszigarette. Oskar bekam sein Leckerli ...

Im Klartext: Oskar weckte mich jeden morgen gegen 5.00 Uhr und wollte raus. Ich bin dann oft nicht mehr eingeschlafen und entwickelte über die Zeit echte Schlafstörungen. 

Auch hatte sich Oskar angewöhnt, die Nächte dort zu verbringen - er hatte bereits seinen Futternapf dort stehen. Ich war immer wieder sehr hin- und her gerissen. Oskar war definitiv ausgezogen und kam mit der Tagesstruktur dieser Leute besser zurecht.  Mehrere Mal habe ich Katrin angeboten, ihnen Oskar zu schenken. Ich spürte deutlich, dass sie das nicht wollte. Sie wollten ohne jegliche Verantwortung  - wie sie es nennen "Gutes" für Oskar tun. Ich habe ihnen wiederholt gesagt, das Oskar nicht mehr weiß, wohin er gehört und dass das  für eine Tier ausgesprochen stressig!

Aber kein Gerede dieser Welt änderte irgendwas an dieser Situation. Diese Woche bin ich nun komplett ausgerastet. Hatte ich doch mühsam mit Oskar ein neues Ritual entwickelt. Er lag gegen 5:00 Uhr unter dem Busch und kam dann rein - mal früher - mal später!

Und dann lag da kein Oskar mehr. Die ersten Tage, hakte ich es mit dem schönen Wetter ab. Dann wurde es mir doch komisch! Stand ich also morgens um 5 Uhr auf dem Hof und suchte Oskar. Nichts! Ich fuhr später zum Irrenhaus ohne Oskar gesehen zu haben. Am Abend sprach ich Katrin an - ja, sie hatte Oskar nachts zu sich reingeholt, weil er so jammerte - wie sie die Situation beschrieb!

Okay, ich war nicht begeistert, aber ich wollte keinen Stress machen. Habe ich also Katrin nochmals darauf hingewiesen, dass ich nicht möchte, dass sie Oskar zu sich rein holt!

Am nächsten morgen, das gleiche Bild nochmal. Kein Oskar da!  Meine Wut stieg schon morgens um 5:00 Uhr rasant an. Ich quälte mich bis 5:30 Uhr mit der Frage, was ich tun soll!  Ich entschied mich dafür, Katrin vom Sofa hoch zu holen und ihr zu sagen, dass sie sofort Oskar raus lässt

Am Abend stehen Matthias und ich Nasenspitze an Nasenspitze  - ich verliere komplett die Beherrschung. Katrin - die eigentliche Verursacherin - steht vor Angst schlottert daneben und sagt kein Wort!

Es beginnt eine wahrhaftig unschöne Schlammschlacht , die wohl alle Nachbarn hören.

Es trifft mich hart, dass Matthias sagt, ich würde nicht gut für Oskar sorgen - ich sei mit ihm überfordert. In meinem Augen, ist er ein absolutes Großmaul und ich drehe immer weiter auf!

Ich wache morgens auf und öffne die Augen. Die Tasse auf dem Tisch steht schräg und ist total unscharf. Ich brauche bestimmt 10 Minuten, bis diese Tasse vor meinen Augen eine Tasse ist! Später in der Dusche wird mir echt Bang - ich überlege, ob es sinnvoll ist, dass ich mich schnell auf den Boden lege. Aber es ist mir so kalt! Arschbacken zusammen kneifen und durch - das klappt. Aber ich kann mich nur ganz vorsichtig fort bewegen.

Was ist mit mir los!?

Halt Stopp - ich muss sortieren!

13.07.2020

Nächstes Jahr wird mir keiner mehr sagen , was ich zu tun oder zu lassen habe ...

16.07.2020

"Mausi, die blinde Lebensfreude" ist heute gestorben. Die gute Maus, wurde nur 11 Jahre alt. Ich komme mir total blöd vor, um einen Hund zu weinen, den ich überhaupt nicht gekannt habe. Ich erinnere mich, dass ich wg. Mailo, der auf dem Hundegnadenhof bei Werner eine sehr kurze Zeit noch leben durfte, auch ein wenig die Fassung verloren habe. Es gibt so bestimmte Schicksale, die in meinem Leben einen Stellenwert bekommen - egal, ob ich sie persönlich kannte oder nicht!