Früher

Manchmal sind Erinnerungen das kostbarste Gut das ein Mensch besitzen kann - sie werden mit zunehmendem Alter wertvoller !

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8. April 1977 - eine Flasche Rotwein steht auf dem Tisch- Treets und Schokolade liegen auch irgendwo herum! Julius liegt auf dem Sofa und schläft. Ich mache eine Kerze an. Im Hintergrund spielt Dvorak - die Meister Sinfonien Nr.9 aus der neuen Welt.

Langsam zieht der Abend mit seinen Lichtern über die Dächer Düsseldorfs. Nichts kann diese Ruhe stören - nur ich  selbst.

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Ich denke, dass ich zu den folgenden Bildern nichts sagen muss:

In Gedenken an Opa

Weiter geht es mit Bildern, die mein Leben in den unterschiedlichsten Farben wiederspiegeln:

Ein Bild aus meinem früheren Leben - es zeigt meine beiden Brüder - ich liebe dieses Bild. Sie leben ....

Überlebenskampf
Überlebenskampf

Wenn ich in Berlin gewesen bin - habe ich mit Omimi die Grabstelle von Peter und von Opa  besucht. Auf diesem Bild sind wir auch auf dem Friedhof - Omi musste auf die Toilette.

An sehr vielen Abenden versuche ich mich damit abzufinden, dass auch sie heute in dieser Grabstelle ihre letzte Ruhe gefunden hat.

 

An manchen Tagen befürchte ich, dich nie zu vergessen!

 

Als Opa gestorben ist ... da haben wir am Tisch zusammen gesessen ... Omi, du bist in Tränen ausgebrochen und ich werde niemals vergessen, wie du gesagt hast, dass der Mann, der dich dein Leben begleitet hat, nun nur noch ein Haufen Asche ist.

Mir ist die Kartoffel im Halse stecken geblieben - du hast so sehr um deinen Walter geweint.

 

Ich möchte  Frieden schließen!

Omi - ich glaube, jeder von uns geht mit deinem Tod auf seine verkraftbare Weise um. Wie dem auch sei - jedem fehlst du. Ich wünsche mir, dass wir uns irgendwo im Jenseits wieder treffen- das du für mich eine Tasse Kaffee kochst und mich fragst, wie es mir ergangen ist.

In Achtung vor dem Leben - ich danke Dir - Angelika!

Zeugnis vom 21. März 1964

Petra ist eine in ihrem Verhalten bescheidene, geistig aber aufgeweckte Schülerin mit sehr gutem Betragen. Ihre zu Beginn des Schuljahres gezeigte Scheu und Unlust hat sich nach ihrer Verschickung völlig gelegt, und sie arbeitet nun rege, dabei ruhig und sicher im Unterricht mit und zeigt viel Freude an der Lernarbeit.

Sie darf sich nur nicht so leicht zum Schwatzen verleiten lassen. Ihre schriftlichen Aufgaben verrichtert sie gewissenhaft, sauber und arbeitet mit großem häußlichen Fleiß. Ihre Leistungen sind im Lesen und Schreiben gut,im Rechnen befriedigend. In die Klassengemeinschaft fügt sie sich gut und rücksichtsvoll ein

Versäumte Tage: 23    Verspätet:12    Wird versetzt in die Klasse 2

23 versäumte Tage und 12 mal verspätet : 23 Tage / 12 mal verspätet - nicht eine Sekunde freiwillig!

Diese Tage haben mich geprägt!

April 1990
April 1990

Ein Brief meiner Mutter an ihren Bruder - zu einem Zeitpunkt, indem sie Berlin mit mir verlassen hat.

Wie man aus dem Brief entnehmen kann, spiele ich keine Rolle - aber sie setzt ganz zum Schluss noch einen Gruß von mir mit rein.

Von meinem Bruder

Aus meinem Poesiealbum

Mit Tante Hilde in Bergfelde

Fasanenweg - St. Peter - Ording

Bild aus glücklicheren Tagen - meine Schwester und mein Bruder!

So lange ist dieses Bild her - !

Ich weiß gar nicht, warum sich meine Schwester bei meinem Anblick halb tot lachen möchte, sie sollte vielleicht mal in den Spiegel schauen!

Nun ja, das Bild ist bestimmt 20ig Jahre her, heute sehen wir Beide sehr viel besser aus!


„Benno Ohnesorgs Leidenschaft galt dem Frieden… Als er sich dort von seiner Frau an der Straßenecke in der Schillerstraße trennte und hinüber zur Krummen Straße ging, …war es vielleicht sein Impuls, einem Misshandelten zu helfen, der ihn sein Leben kostete… Nehmt diesen ersten unkontrollierten Konvoi seit Kriegsende als Zeichen der Verheißung für ein künftiges friedliches Deutschland…, in dem man wieder, ungehindert durch Autobahngebühren, Stacheldrähte und Mauern, frei hin und herfahren kann.“

Benno Ohnesorg starb bei uns auf dem Parkplatz!

 

Ein Nachmittag der mich mein ganzes Leben begleiten sollte. Der Schah von Persien hatte seinen Besuch an der Oper angekündigt.

Alle waren sehr aufgeregt: Gela war noch nicht zu Hause! Wo ist sie blos? Die Polizei fing an, die Straßen abzusperren - alles was jetzt nicht durch war - würde auch nicht mehr durch kommen. Gela war nicht in Sicherheit!

Ich hatte Verbot aus dem Fenster zu sehen: aber ich musste doch nach  Gela sehen!

Dann fiel der Schuss!

 

In all den Jahren danach - bis ich Mitte 40ig war - konnte ich meine Füße, nicht sehen. Ich ging nur mit Strümpfen begleitet ins Bett und trug niemals Sandalen, egal wie meine Füße im Sommer schmerzten oder schwitzten. Der Anblick von Füßen löste in mir Panik aus.


Lange Zeit hatte ich das Bild vor Augen, dass meine beste Freundin Roswitha in einem Busch tot aufgefunden wurde. Ihre Füße waren verbrannt.


Über viele Jahre war ich davon überzeugt - eines Tages ging ich durch die Straßen - der Prozeß wurde gerade neu aufgerollt - da sah ich ihn vor mir liegen!

 

Ich sah die  im Sterben liegenden Füße  von Benno Ohnesorg.

Wie ich an diesem Tag nach Hause gekommen bin, weiß ich nicht. Ich habe nur noch geheult und ich hatte so viel Angst in mir!

Hier stehe ich am Grab von Rudi Dutschke - Gela hatte es durch einen Zufall auf ihren Spaziergängen entdeckt und mir gezeigt!


Mein erstes Auto als ich nach Niedersachsen gezogen bin.

Auf der Winsener Straße ist mir ein anderes Auto derart hinten rauf gefahren, dass ich nur noch einen Schrotthaufen hatte, der nicht mehr fuhr!

Mein Wagen war  so zusammen gefaltet, dass ich meine Tür nicht mehr öffnen konnte, ich geriet komplett in Panik ... erinnere mich daran, das ich versucht habe, mit beiden Beinen gegen die Tür zu treten und sie mit meiner Kraft zu öffnen.

Danach endet meine Erinnerung ... ich habe Bilder von einer Frau im Kopf, die mich gehalten hat. Ich hörte das Martinshorn und ich war spätestens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Realität

 


Kontakt 2013/2014


Wer hier auf diesem Bild meine Mutter ist, ist wohl nicht schwer zu erraten! Es ist ein Bild, über das ich mich, nach den vielen Jahren der Trennung fast erschrocken habe.  Als meine Mutter ihren 80igsten gefeiert hat, habe ich mich nicht dazu gesellen können. Aber meine Schwester hat berichtet, dass sie in Ton und Umgang sehr angenehm gewesen sein soll! Hat das "alte Haus" doch noch mit sich und ihrer Umwelt Frieden schließen können? Ich werde es nicht mehr in Erfahrung bringen können  - zu tief sitzen die Erinnerungen, als dass ich heute darüber hinweg sehen könnte -  an manchen Tagen tut mir das wirklich sehr leid!

Eines meiner Lieblingsfotos von meiner Mutter - wie schade, dass alles so gekommen ist!




Dieses Bild hat mir Gela geschickt - ich kannte es nicht... meinen Gesichtsausdruck konnte ich nicht einordnen.


... und ja, es ist das Gesicht, das lange geweint hat  - vielleicht aus Angst und Verzweiflung ... weil der Opa mein klingeln an der Tür nicht gehört hatte. So stand ich - wie mir Gela berichtete - lange Zeit vor der Tür und fror.


Ich war wohl nur noch erleichtert, als ich endlich zu Hause angekommen war und man sich um mich kümmerte.


... das Lächeln gelingt nur halb, aber ich bemühe mich!


Hyggen - sehr lange her!

... mit Andreas ... auf großer  Reise


Ich denke, man muss wissen, dass so nach dem Krieg .. dem Wiederaufbau und der Deutschen Teilung ... eine solche Reise, etwas ganz besonderes war. 

Heute reisen die jungen Leute ganz woanders hin - Norwegen, ist ein verlängertes Wochenende, weil gerade ein Angebot läuft.


... so verändern sich die Zeiten!

aus meinem letzten Leben ...