Tagebuch 2019

Ich blicke zurück auf die vergangenen Jahre und bin fast ein wenig erstaunt, wie weit ich mich doch von mir selbst entfernt habe. Fast scheint es mir heute so, als sei mein Blick trüb!

Vor ein paar Jahren noch, wäre ich sonst wo hin gefahren, um einen schönen Vogel zu suchen - ich bin unendlich weit gelaufen, mit der Neugier irgendwas tolles zu entdecken ... heute fehlt mir die Kraft!

Sorgen und Ängste überschatten meinen Tag ... es kostet soviel Kraft, nicht auseinander zu fallen!

Aber ich kann die langsam voran schreitende Blindheit noch spüren - das beinhaltet die Möglichkeit den Rückwärtsgang einzulegen.

Ich möchte das Jahr nutzen, mich mit meinen Bedürfnissen auseinander zu setzen und hoffe doch sehr, dass alle körperlichen Beschwerden einzig dazu dienen, mich wach zu rütteln. Die Tatsache, dass ich zwei Anläufen nach Helgoland   nicht folgen konnte, weil mich mein Bein  nicht mehr trug, möchte ich in den nächsten 20ig Jahren nicht mehr erleben ...

1. Januar 2019

Ich habe mir meine kleine Schachtel heraus gesucht und will schauen, was ich heute an schönen Dingen hinein legen kann.

Der Tag beginnt grau in grau - wie schön. Nichts muss mich antreiben, nichts verpasse ich dort draußen. Ich kann mich ausschließlich mit mir beschäftigen.  Manch einem gelingt das natürlich auch bei Sonnenschein. Aber ich befinde mich in einer Situation, in der mir das graue Wetter immens zur Erholung oder Genesung gut tut. Die Beine versagen ihren Dienst und es ist vollkommen egal, was sich da draußen abspielt: Ich kann nicht daran teilnehmen.  Seit 4 Wochen laufe ich den Weg vom Sofa zur Toilette und zurück. Danach ist mein Bedarf nach Bewegung vollkommen erloschen.

Heute nun wache ich auf und sehe wieder so einem stressfreien grauen Tag entgegen. Wie schön! Wir muckeln uns so alle zurecht , jeder macht das, was er für wichtig befindet. Oskar hat es natürlich eilig raus zu kommen - da muss auch das Frühstück warten. Konnte er doch gestern aufgrund dessen, dass die Menschen durchzudrehen schienen , seine Arbeit (Kontrollgänge /unerlaubtes Betreten seines Reviers verhindern) nicht in üblicher Weise ausrichten.

Nach getaner Arbeit, muss ich ein paar Tabletten nehmen. Sie führen nach kurzer Einwirkzeit zu enormer Müdigkeit, sodass wir alle zur zweiten Heiarunde aufbrechen. Wie schön!

Später starte ich über die Autobahn Richtung Hamburg - muss meinem AG noch einen Brief abgeben. Vor mir kreuzt ein kleiner Trupp Kraniche die Autobahn. Das sieht man hier im Norden um diese Jahreszeit nicht so oft. Vielleicht hängt es mit den wirklich warmen Temperaturen von ca. 8 Grad zum Neujahrstag zusammen. Wie schön!

Als ich nach Hamburg rein komme, kostet der Liter Diesel an meiner Tankstelle 1,16 Euro. Vollbremsung und rauf. Beim Bezahlen frage ich den Verkäufer, ob  der Preis heute schon umgesprungen sei. Ja, erklärt er mir. Da wird es vielleicht noch einen Cent günstiger werden - mehr aber auch nicht! Dieser eine Cent ist mir wurscht. Ich fahre mit gutem Gefühl wieder zurück auf die Straße. Kaum habe ich die schützende Überdachung der Tankstelle hinter mir gelassen, fängt es an zu schütten. Ich sitze trocken, wie schön!

Als ich 20ig Minuten später wieder an meiner Tankstelle vorbei komme, ist der Dieselpreis um 4 Cent gestiegen - Glück gehabt!

Es ging mir wirklich schon schlechter ....

2. Januar 2019 

Wache ich heute morgen auf und sehe Licht am Himmel. Ist es der Himmel oder habe ich gestern vergessen, dass Licht zu löschen, als ich ins Bett ging. Nein, das Licht ist aus - die Sonne scheint, wie schön! Sie scheint den ganzen Tag - ich kann es genießen ohne das Gefühl zu entwickeln, jetzt los legen zu müssen. 

Während ich mit meinem Projekt "Duschen mit Mülleimer" beschäftigt bin und mir die Füße wasche, kommt mir plötzlich in den Sinn, wie toll es ist, dass ich dass alleine machen kann. Ist ja auch keine Selbstverständlichkeit ...

Was für ein Glück, dass ich keinen Schlaganfall bekommen habe ....

Ich püddel so vor mich hin und denke an meine Mutter. Was habe ich vielleicht von ihr ja doch gelernt?

Meine Mutter hat mir niemals gelehrt, dass es Leistungen sind, die mich im Leben weiter bringen. Sicher, sie hätte gerne aus mir eine Beamtin gemacht - damals schien man damit gut versorgt zu sein, vor allem auch im Alter. Aber wir konnten uns immer darauf einigen, dass ich "Versorgung "anders verstand , als sie. Das ich anfing mich mit den Kindern anderer Leute zu plagen, hatte sie nie verstehen können. Hat mich aber meinen Weg gehen lassen - sie wusste, dass sie keine Chance  hatte mich umzustimmen.

Sehr, sehr gerne erinnere ich mich heute noch an unsere gemeinsamen  Spieletage - im Schlafanzug, am Frühstückstisch . Um uns herum das Chaos - aber immer lagen die Karten oder Würfel in unserer Nähe. "Schlesische Lotterie" habe ich bis heute nicht vergessen. Es war kein schwieriges Spiel, aber ich mochte so gerne gewinnen und wie meine Mutter "den dicken Hauptgewinn" ankündigte, ist mir  als Fanfare im Ohr geblieben. Herrlich, mit jedem Spiel die gleiche Motivation und das Stunde um Stunde!

Ich denke, dass es ihr wichtig war, mir bei zu bringen, dass das Leben auch Spaß machen muss.  Und ich glaube, dass ich dass auch sehr lange in und für mein Leben beherzigen konnte. Irgendwann ist es dann unter dem Alltagsdruck doch ins knicken gekommen und ich will mehr versuchen, dieses Gefühl für mich wieder aufleben zu lassen.

Einige Stunden später streife ich in meinen Gedanken, noch einmal diese Erinnerungen. Mir fällt ein, dass ich im ersten Schuljahr nicht wirklich  "Schulfähig" war. Ich konnte mich schlecht konzentrieren und das Sortieren meine Buntstifte nach Farben und Länge, hielt ich für weit wichtiger, als das Gequatsche irgendeiner Lehrerin.  Ich wurde dann "zurückgestuft" - ich denke, es war mir egal.

Eine ähnliche Geschichte erinnere ich, als ich vom Kindergarten in den Hort überwechselte, weil ich ja nun schon ein großes Mädchen sein würde.  Ich hatte große Schwierigkeiten - im Kindergarten konnte ich mich zum Schlafen legen. Im Hort ging das nicht mehr. Ich war so schlecht drauf, dass sie mich dann ab und zu doch in den Kindergarten zum Schlafen runter geschickt haben.

Ja,  und wenn ich heute schaue, dann bin ich eindeutig bei mir geblieben. Klar hat die Zeit Veränderungen mit gebracht, die es galt zu meistern und die mir auch wichtig waren.  Und dennoch ist es für mich an der  Zeit, mich mit etwas Ruhe hinzusetzen und zu überlegen, wo ich heute stehe und was mir wichtig ist .

3. Januar 2019 - der Tag heute ist im  Wesentlichen von Übelkeit und Magenschmerzen geprägt. Ich gehe davon aus, dass es mir morgen wieder besser geht.

4. Januar 2019 - die Magenschmerzen werden etwas weniger. Dennoch bin ich weit davon entfernt, sagen zu können, dass es mir körperlich gut geht.  Seit dem  29. November  2018 versagt mein linkes Bein seinen Dienst. Ich bin seit dem keine 5 Minuten mehr zusammenhängend auf den Beinen gewesen.  Jeder Einkauf, der getätigt werden muss, steht mir  bevor.  Die Erledigung der Hausarbeit ist auf das Wesentliche beschränkt - dennoch bin ich erschöpft. Ich schlafe viel . 

Trotz allem bin ich zuversichtlich, dass es bald besser werden wird.

5. Januar 2019 - heute nun sind die Schmerzen wieder so groß, dass nichts mehr geht! Allmählich bin ich von diesem Zustand genervt. Noch nie bin  ich einer  Situation so hilflos ausgeliefert gewesen. Ich hatte mir für heute vorgenommen, die Katzentoiletten zu machen.  Es geht nicht!

Die Psyche zieht sich zurück - ich bin müde, mir ist kalt! Bis weit in den Nachmittag  quäle  ich mich. Gegen 17:00 Uhr lassen die Schmerzen endlich nach.  Es fällt schwer heute, dem Tag irgendetwas Schönes abzuringen

9.01.2019 - Mit den schönen Dingen ist es schwierig.  Auch Tage später dominieren meine Schmerzen  - wieder eine schlaflose Nacht. Gegen 7:00 Uhr morgens komme ich endlich ein wenig zur Ruhe.

Ich hoffe sehr, dass ich bald wieder etwas fitter bin, damit ich anfangen kann, die Muskeln im Bein  wieder aufzubauen und auch  kleine Spaziergänge machen zu können.

27.01.209 - Zeitsprung

Ich werde nächste Woche ins Krankenhaus gehen und hoffentlich dann irgendwie zu Kräften kommen ...

und ja,  blöd ... dass ich das Wochenende abwarten muss, bis ich das Ergebnis bekomme - aber ich bin "eigentlich" ganz sicher, dass Krebs in unserer Familie keine Chance hat ... 

4.02.2019 - 

"und Achim sagt: Über diese Brücke gehen wir erst, wenn es soweit ist!"

Wie einfach manche Sätze doch klingen.... Ich halte mich daran fest und bin jetzt eigentlich nur noch froh, wenn der Rest der Woche geschafft ist!

 

13.02.2019 - was für ein ereignisreicher Tag

Heute morgen werde ich von den defusen Hilferufen eines altes Mannes wach. Es ist 6:00 Uhr - ich habe nicht so gut geschlafen und bin noch ein wenig müde. Neben den Hilferufen habe ich den Eindruck, dass jemand an die Heizung klopft, um auf sich aufmerksam zu machen.  Lilo schläft eigentlich nie, um diese Zeit. Sie hat die Diagnose "ALS"  und bekommt im Liegen sehr schwer Luft. Aber heute morgen ist alles anders.

Der alte Mann fällt aus dem Bett, er ruft nach Hilfe und da niemand kommt, versucht er mit seiner Urinflasche auf sich aufmerksam zu machen, in dem er sie gegen seinen Nachttisch schlägt...  aber es kommt niemand!

Lilo schläft heute morgen wie ein Murmeltier!

 Wir gehen heute beide nach Hause - Lilo hat noch Weg vor sich. Sie erzählt mir von ihrer Mutter, von ihrem erfüllten Leben. Sie war als junge Frau in Brasilien, in Frankreich und sonst wo ...  und sie hat eine Tochter, die das größte Geschenk ihres Lebens gewesen war. Sie sagt, dass sie bereit wäre, zu sterben! Und ihre Worte sind ohne jegliche Theatralik ... 

 

Wir sind heute beide zu Hause und ich frage mich, wie es wohl Lilo geht ...

 

28.02.2019

4.03.2019

Heute morgen trafen sie ein ... trotz des Regens und des Sturms schmeiße ich mich in die Klamotten und fahre mit Paul die Felder, auf der Suche nach den Kranichen, ab. So gerne wollte ich sie sehen und vielleicht ein paar Bilder machen. Sie "Willkommen" heißen! Die Bilder sind angesichts des Wetters nicht unbedingt gut geworden - aber es hat Spaß gemacht.

 

Heute Abend ließ ein "Herr" sitzend im Auto, seinen Hund über die Felder rennen, um die Kraniche aufzuscheuchen. Schließlich gehört ja ihm das Feld und er kann damit machen was er will!

 

Bei diesem Anblick vergeht mir der Spaß - ich kann nicht verstehen, warum man den Tieren diesen Stress antun muss und ja, ich ärgere mich darüber.

 

Auch mir tut es leid, dass ich am Ende nichts "Positives" über den Tag berichten kann. Es ist halt ein doch durchschnittlicher Tag geworden. und gerne hätte ich den "Herrn" gefragt, ob es ihm nun nach seiner Aktion besser geht!

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"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln..."

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6.03.2019

Ich starte um 6:00 Uhr in den Tag - mal wieder mit der Sorge, irgendwas nicht zu schaffen!

Als ich die Körner und Nüsschen für die Vögel draußen auffülle, sehe ich einen wunderbaren, tief roten Sonnenaufgang. Irgendwie scheint der für mich zu sein ...

Mein erster Termin macht mir deutlich, dass ich körperlich ziemlich aus dem Gleichgewicht geraten bin. Nachdem ich schon etwas unglücklich war, sagt meine Trainerin zu mir, dass sie sich auf Menschen wie mich, spezialisiert hat. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass ich es schaffen kann. Ich will es glauben, auch wenn ich im Laufe des Tages, kaum noch in der Lage bin, eine Tasse Kaffee zu halten. Das gehört jetzt irgendwie dazu, weil der Körper sich chic eingerichtet hat und auf diese Mobilität mit Widerwillen reagiert. Das kann ich gut verstehen, bin ich doch auch so froh, wenn in meinem Alltag nichts unvorhergesehenes passiert.

Muss ich also auf meine alten Tage nun endlich lernen, mich auf das Neue einzulassen und mich zu freuen - es als Chance für irgendwas zu begreifen. Das ist nicht wirklich meine Welt!

Ich habe ein Haus gebaut:  ich habe mich informiert, habe die Baupläne fertig, die Finanzierung geprüft und das Grundstück gesucht - mehr als 35 Jahre habe ich versucht mich auf meinem Weg daran zu orientieren und dann stelle ich fest, dass mein Haus auf einer Giftmülldeponie steht - irgendwelche Arschlöcher, die diesen Dreck unter meinem Haus entsorgt haben.

Erst will ich es nicht wahrhaben, dann versuche ich es zu ignorieren. Es gilt sich zusammenzureißen ...

... ohne Schaden komme ich aus dieser Situation nicht heraus.

Das Kunststück liegt darin, den Schaden als Anfang zu begreifen und ihm gespannt und voller Freude entgegen zu blicken!!!!!

Ich fahre mit dieser Erkenntnis nach Hamburg. Lasse, wie immer Paul stehen und steige in den Bus um - aus  dem ich vergesse auszusteigen. Ich schaue mir die Menschen an, die einsteigen - wie sie ihre Fahrkarte suchen ... wie sie so drauf sind !

 

Irgendwann bemerke ich, dass ich längst aus dem Bus hätte aussteigen müssen. Ich profitiere letztlich davon, rechtzeitig los gefahren zu sein -  aus der Sorge heraus, es nicht pünktlich zu schaffen ...

Ich erreiche mein Ziel zur verabredeten Zeit und habe vielleicht jemanden an meiner Seite, der mich durch die nächsten Wochen begleitet: Ich bin meiner Situation nicht hilflos ausgeliefert -wenn sich da doch nur nicht so ein Dämon in meinem Kopf eingenistet hätte!

Als junge Frau, hätte ich längst meine Tüte genommen und wäre weitergezogen ...

 

Am nachmittag fahre ich nach Hagenbeck, um jetzt einfach den Kopf auszulüften.Meine Gedanken überschlagen sich ...

10.03.2019

Die körperlichen Strapazen reißen im Moment nicht ab. 

                                                                                                                             Das Jahr 2019  steht für meine körperliche Genesung ...

14.03.2019

Der anstrengendste Teil der Woche ist geschafft. Die Schulter macht Fortschritte und meine Entscheidung war richtig.

Der Termin beim Sozialverband war eine absolute Nullnummer - ich bin allmählich echt von Menschen geschädigt, die sich am liebsten selber reden hören und sich unwiderstehlich finden! Sich mit ihnen verständigen zu wollen ist reine Zeitverschwendung. 

Die Diskussion um das Existenzminimum macht mich ärgerlich ...

Die Dinge sind nie so wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht. 

                                                                                                                                                                                             Verfasser unbekannt

14 Tage später bin ich komplett geschockt über meinen Körper. Er schmerzt und macht irgendwie was er will!

17.04.2019

Inzwischen ist es Frühling geworden - fast hätte ich es nicht bemerkt!  Mir ist oft sehr kalt - der Kreislauf eher niedrig. Mein Schlaf wird mehrmals in der Nacht  unterbrochen, weil ich in rasender Eile zum Klo muss. Manche Nacht komme ich gar nicht zum Schlafen. Auch kenne ich nun die Darmkrämpfe und die mich stets latent begleitende Übelkeit. Irgendwie habe ich mich ergeben - aber natürlich renne ich weiterhin zum Arzt! Aber es hat für mich nicht mehr die absolute Dringlichkeit. Wenn es mir nicht gut geht, weiß ich, dass nun ein paar Tage Bettruhe mit viel Schlaf angesagt sind und danach sehen wir weiter.  Ich habe begriffen, dass ich mehr als einen Gang herunter schalten muss. 

 

Ich habe inzwischen einige Menschen um mich herum, die ich um einen Gefallen bitten kann und meine Krankengymnastin hat mir der liebe Gott geschickt!  Immer war es für mich eine absolute Horrorvorstellung etwas nicht alleine machen zu können.  Es ist auch noch immer eine absolute Horrorvorstellung, aber ich habe verstanden, dass sich andere Menschen für mich interessieren und das ich fragen kann.

Heute habe ich meinen Grill heraus geholt , die Terrasse halbwegs schön gemacht. Eigentlich sollte der Stuhl von Omi noch raus, aber dazu hatte ich dann keine Kraft mehr. Mache ich morgen! Außerdem habe ich natürlich die Kissen für meine Mäuse raus geholt. Minky hat den ganzen Abend darauf gelegen und unsere Gemeinsamkeit sichtlich genossen. Kira Schnecke ist heute 13 Jahre alt geworden und ich erinnere mich an die Zeit zurück. Nun, mit dem Klapskalli von Vermieter hatte ich immer meine Probleme - aber es war eine so wundervolle Zeit!

Auf den Lachs habe ich mich richtig gefreut. Habe ich noch nie gemacht - eigentlich weiß ich nicht, ob ich schon jemals alleine gegrillt habe! Aber heute habe ich richtig Lust, es auszuprobieren. Naja, was soll ich sagen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Morgen versuche ich es noch mal!

Ich frage mich, ob ich im Augenblick das Fotografieren etwas einstellen sollte. Ich genieße die Tage mit meinen Mäusen - sie sind mir so nah! Ursprünglich hatte ich geplant nach Fehmarn zu fahren, aber jetzt bin ich ganz unsicher! Ich könnte - ohne jeglichen Stress zu Hause bleiben und die Ruhe genießen. Ich könnte mich mit meinem "Lachsprojekt" beschäftigen, schlafen ... wenn es mich überkommt. Minki's dicken Bauch kraulen - mich freuen, dass Hans - Peter sie damals bei mir gelassen hat! Fast habe ich dieser Tage den Eindruck, wieder bei mir anzukommen!

Drei Wochen später wird mein Alltag noch immer von meinem Wohlbefinden gesteuert. Ich liege jetzt seit 3 Tagen flach und frage mich, was mir passiert. Kaum dass ich wieder halbwegs auf meinen Beinen stehen konnte, wurde mir von meinem Darm äußerst übel mitgespielt. Das sind eigentlich nur 4 Buchstaben, aber sie haben große Bedeutung, wenn da etwas nicht stimmt. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe und mir ist so kalt! Es ist vollkommen egal, wie das Wetter draußen ist - ich muss immer erst tief in mich hinein horchen, ob ich das Haus verlassen kann. Fehleinschätzungen sind unschön!

Meine Erschöpfung ist an manchen Tagen riesig - wie ich inzwischen weiß, hat es nichts mit einem mangelnden Vitamin D Spiegel zu tun.  Vor der Diagnose habe ich Angst - ich kann zum ersten mal nach empfinden, warum man Post ungeöffnet in dem Müll schmeißt.  Die Hilflosigkeit ist so übermächtig.

 

Da quäle ich mich am Samstag noch zu Edeka - ich brauche Brot!  Stunden brauche ich, um in die Senkrechte zu kommen. Vielleicht brauche ich ja auch gar kein Brot? Zwischen meinen Überlegungen schlafe ich immer wieder ein, die Gänsehaut kriecht - trotz meiner Decke - über den ganzen Körper. Kann ich überhaupt Auto fahren? Mein Hirn sagt, jetzt reiß dich zusammen - mein Bauch braucht kein Brot. 

Schließlich fahre ich los und kaufe noch ein paar Scheiben verpacktes Brot - was Frisches ist nicht mehr zu bekommen.

Die Nacht wird grauenvoll, ich schlafe morgens gegen 8:00 endlich ein und habe das Brot vergessen ....

"Krankheit ist eine Aufgabe und keine Strafe" - herausgefunden von einem mir unbekannten klugen Kopf

                                                                                                                         Irgendwie scheint das ganze Leben eine einzige Aufgabe zu sein  

Nachdem ich die ganze Woche von einem Arzttermin zum Nächsten gegangen bin, hatte ich mich heute am Freitag Abend darauf gefreut, mal wieder in meinen Bildern so richtig mit Ruhe und Freude zu stöbern. Leider muss ich mich jetzt hinlegen - ich hoffe sehr, dass das morgen wieder besser ist. Ich hätte wenigstens einen kleinen Spaziergang gemacht!

Allmählich knicke ich ein ....

Ich versuche in meinem Alltag zu bleiben, aber es fängt an schwierig zu werden ...

Inzwischen sind Monate vergangen - unzählige Momente, in denen ich fest davon überzeugt war, dass es nun endlich wieder aufwärts geht und beinahe genauso viele Momente, in denen mir klar wurde, dass ich gewissermaßen noch nicht "fertig" bin. Oft standen Verunsicherung, Hilflosigkeit  aber auch Hoffnung dicht beieinander. Manchmal überkam mich die Angst bei der Frage, wie wird es weiter gehen kann . Ich weiß es ja nicht und bevor ich mich mit Fragen quäle, die ich nicht beantworten kann, versuche ich eher den Weg der Hoffnung zu gehen. Und dann kommt das nächste Problem. Ich merke, dass ich aggressiv werde, mit dem Gefühl, immer wieder gegen eine Wand zu rennen.

Ich bin froh, dass mich meine Liebe zur Natur und zur Fotografie über manchen Tag rettet. 

Was für ein unglaublich beschissener Tag - 12.07.2019

Der Tierpark ist mir in diesem Jahr echt ans Herz gewachsen. Ich treffe  dort immer , zumindest wenn ich will, Menschen mit denen ich ins Gespräch komme. Das ist nichts Schweres, das ist einfach nur nett. Manchmal gehe ich durch den Park - manchmal sitze ich aber auch nur den ganzen Tag auf einer Bank und schaue dem Treiben zu oder ich warte darauf, dass ein Tier irgendetwas bestimmtes tut - natürlich für ein schickes Foto. Nicht immer bekomme ich dann letztlich den spannenden Augenblick mit.

Manchmal frage ich mich, ob ich alt werde? Aber nein, ich glaube nicht! Ich genieße die Augenblicke, in denen ich nicht herum rasen muss - es irgendwas zu schaffen gilt - ich ein wenig zur Ruhe kommen kann. Und damit meine ich, wirklich zur Ruhe kommen. Ein inneres positives, sonniges Empfinden - Zufriedenheit mit dem Augenblick!

Gestern nun hatte ich gedacht, morgen in den Tierpark zu fahren und nach dem Rechten zu sehen.

Irgendwann am Nachmittag setzten die höllischen Rückenschmerzen ein, die mich leider auch durch die Nacht begleiteten. Um 4:30 stehe ich auf. Ich nehme das Scheißkortison und schaue zur Uhr. Ist ja mit dem Frühstücken nicht mehr so einfach! Nach einer halben Stunde  - ich gewöhne mich langsam  daran - setze ich schon mal vorsichtig das  Teewasser auf.  So, was könnte ich jetzt essen? Der Darm krampft sich gerade mal wieder zusammen und ich wundere mich, dass er mir noch nicht aus dem Bauchnabel gesprungen ist.

Irgendwann habe ich alles beisammen und robbe mich langsam und vorsichtig gen Sofa - bloß keine falsche Bewegung.  

Gegen 7:00 Uhr bin ich so müde, dass ich die Augen nicht mehr offen halten kann. Ich lege mich wieder hin und weiß, dass ich mich vom Besuch im Tierpark für heute verabschieden muss. Die Schmerzen sind zu groß und die Müdigkeit zu überwältigend - so kann ich mich nicht auf die Straße setzen.

Gegen 12:00 werde ich wieder wach und erinnere meine Medikamente, die heute mit dem Kühlwagen eines Paketzustellers kommen sollen.  Ich schaue vor die Tür und finde die Benachrichtigung im Kasten., dass sie mich nicht erreicht haben.

Ich könnte auch ohne Bauchkrämpfe vor Wut platzen. Hatte ich doch einfach den Kühlwagen vergessen und hatte ich gedacht, soll er das Paket doch vor die Tür stellen - aber nichts von dem - der ist zu blöd sich vernünftig bemerkbar zu machen. Ich habe ihn jedenfalls nicht gehört!

Rufe ich beim Paketzusteller an und frage, wie denn diese Geschichte nun weiter gehen soll. Ein ärgerliches Gespräch - Eineinhalbstunden braucht der ganze Zirkus, bis endlich etwas geklärt ist. 

Ich gehe zu Katrin rüber und versuche etwas runter zu kommen, was zunächst auch gelingt.

Plötzlich stehe ich vor dem toten Rotschwanz. Der kleine Puschel ist gerade erst flügge geworden und rennt immer auf dem Hof herum. Am Abend schmettert er so wunderschön sein Lied vom Dachgiebel. Nun, was denke ich dazu? Ich vermute, dass Oskar ihn tot gespielt hat. Das wäre normalerweise nicht passiert, wäre ich nicht wieder eingeschlafen und hätte ich Oskar, entsprechend unserer Gewohnheit, über den Tag reingeholt. Ich sammel den kleinen Vogel auf und beerdige ihn. Oskar böse zu sein, wäre Schwachsinn!

Aber ich bin allmählich etwas arg angespannt. Der Rücken macht sich noch immer unangenehm bemerkbar und schränkt mich ungeheuer in meiner Bewegung ein. Wer weiß, ob das überhaupt der Rücken ist oder ob die Schmerzen nicht vom Darm ausstrahlen.

Dennoch will ich mich  nicht erschlagen geben. Was könnte ich tun, damit der Tag endlich einen Sinn hat. Ich werde nach den Haubentauchern sehen. Gesagt, getan -  im Auto mache ich mir die Sitzheizung an und finde, das das meinem Rücken ganz schön gut tut.

Es braucht nicht lange und ich stehe im Stau - im Radio höre ich, dass nun NRW auch Ferien hat und das heute mit mega Staus zu rechnen ist. Das macht mich richtig glücklich. Keine Ahnung, ob ich noch ankomme - aber umdrehen geht ja auf der Autobahn auch nicht. Ich versuche in Bauch und Rücken zu atmen - das soll ja gut tun!

In Hamburg angekommen, biege ich Richtung Rothenburg ab - heute will ich endlich mal die kürzere Strecke fahren. Wie gut, dass ich wenigstens daran gedacht habe. Ich fahre durch ein Wohngebiet - rechts stehen Häuser, links parken nur noch LKW's und vor mir steht plötzlich ein Blitzer. Keine Schnitte  - ich bemerke ihn eigentlich nur durch das Aufblitzen und bin völlig irritiert. Was habe ich hier falsch gemacht? Nun, das ist eine dreißiger Zone und ich bin fünfzig gefahren, weil ich diese Einschränkung nicht bemerkt hatte.

Ich könnte aus dem Wagen springen - Brüllwitz, ich springe mal wieder nirgendwo - trotzdem könnte ich diesen blöden Kasten von der Straße  fegen. Ich bin ganz sicherlich kein Raser, den man mittels Bußgeld die Straßenverkehrsordnung beibringen muss. Aber heute ist einfach alles doof.

Ich bin heilfroh, dass nicht zum Ende des Tages auch noch das Haubentauchernest zerstört war. Wenigsten hier war alles so, wie es sich gehörte.

Morgen nun werde ich, schick auf meiner Bank sitzend auf den Paketzusteller warten und nichts weiter ...

13.07.2019

Der Paketzusteller kommt nicht ....                                                                                   

16.07.2019

Liebe Freunde - es gibt Themen, über die man nicht spricht!  Wenn man, aber  mit einem Thema monatelang beschäftigt ist, dann verliert es seine Brisanz.  Nur der Erfolg zählt ...   ... und  das Thema wird zur Normalität!

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ungeniert" 

21.07.2019

Ich weiß nicht, ob ich glauben kann, dass es mir anfängt besser zu gehen. Hatte ich doch soviel Angst vor diesem Kortison - ein Leben lang . 

Aber ich spüre Kraft in mir - die Entzündung scheint aus meinem Körper langsam zu weichen ...

 

Ich fange an mich zu spüren - ich kann wieder lachen und auch meine Angst, vor jeder Scheiße, eingrenzen  ...

 

Andrea, Darko und ich rennen durch den Wald, als das Gewitter los geht - ich bekomme Luft ...

Ein unbeschreibliches Gefühl

                                                                                      Ich habe Kraft für Zwei - bitte lieber Gott - halte diesen Zustand ...

2.08.2019

Wieder beim Arzt und wieder zu früh gefreut! Ein gute und eine schlechte Nachricht! Die schlechte Nachricht: Ich bin noch nicht gesund. Die gute Nachricht: Ich weiß jetzt, warum ich so schlecht Luft bekomme!

8.08.2019

Es ist 21:35 Uhr - ich höre den Jäger schießen - er kann nicht so weit weg sein! Wut, Entsetzen und Traurigkeit schießen mir gleichzeitig durch den Körper. Hoffentlich hat dieser Wichser nicht unseren Hofhasen erlegt!

Es fällt ein weiterer Schuss - offenbar kann der Wichser noch nicht einmal treffen. Ich bete zum lieben Gott, dass das Tier nicht angeschossen in Panik durch den Wald rast!

Aber wenn ich mir diese Welt so anschaue, dann ist Gott auch nur ein "armseliger Möchtegern"!

 

Noch ein Schuss - diesmal weiter entfernt - vielleicht hat das Tier eine Chance zu entkommen ...

Mittlerweile haben wir September - ich werde dieses Tagebuch schließen müssen - vorerst zumindest, weil ich das, was ich da rein schreiben würde wollen, nicht rein schreiben kann

                                                                                                                                   Wir sehen uns irgendwann wieder ...