Wasservögel 3

Es ist für mich immer wieder ein besonderes Erlebnis mit ansehen zu können, wie die Vögel - egal ob groß oder klein, ob auf dem Land oder im Wasser - ihre Brut zu schützen versuchen. Es hat so etwas sehr konzentriertes - die Kücken stehen im Mittelpunkt ihres Alltag und es wirkt so liebevoll ...

Die spektakuläre Rettung des kleinen Brandganskükens - 13.06.2019

Ich fahre vom Beltringharder Koog direkt am Deich die kleine, schmale Straße zur Arlau Schleuse entlang. Zunächst bin ich unsicher, ob ich hier überhaupt fahren darf oder ob diese Straße ausschließlich für die Fahrradfahrer  ist. Da ich aber keinen anderen Weg kenne, fahre ich los. Zu meiner Überraschung ist kaum Verkehr , einzig zwei kleine Schafkinder kommen mir entgegen . Das wirkt zunächst putzig. Auch sie scheinen heute einen Ausflug zu machen. Sie wirken komplett entspannt - als sei es selbstverständlich, das auch sie die Straße benutzen dürfen.

An der Arlau Schleuse steige ich aus und gehe den schönen Weg zu den Beobachtungshütten. Es ist (außer in meinem Darm) nicht viel los. Ich bin komplett angenervt , weiß aber inzwischen, dass ich dem nichts entgegen setzen kann. Will ich mir also nicht den Tag verderben.

Als ich zurück fahre, wieder direkt am Deich entlang, begegnen mir die beiden Schafe wieder. Leider sind sie "aufgeflogen". Die beiden Herrschaften, die mir entgegen kommen, nehmen die Ausreißer mit zurück. Ich finde, man sieht den beiden Schafen ganz deutlich ihren Unmut darüber an. Fast tun sie mir leid!

Zwischen den Schafen sehe ich plötzlich ein Küken herum rennen. Ich kann die Szene in meinem Kopf gar nicht so schnell erfassen. Was mich wirklich freut, ist die Tatsache, dass alle Autos anhalten.

Plötzlich ist ein Mitarbeiter des Nabu's vor Ort.  Er fängt das Küken ein und setzt es bei den Eltern wieder aus. Das sah wirklich professionell aus.

Hach, ich wünsche der kleinen Brandgans dass sie schnell wieder bei ihren Eltern ist ...

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Die Graugänse im Beltringharder Koog

Der Familienhalt bei den Graugänsen ist sehr beeindruckend. Die Altvögel passen höllisch auf, dass ihren Jungtieren nichts passiert. Sie prüfen zunächst, wie riskant so eine Straßenüberquerung ist und versuchen dann bestmöglich abzusichern ...

Aber nicht nur die Graugänse im Beltringharder Koog sind beeindruckend - auf meiner kleinen Rundreise heute , komme ich auch noch einmal am Katinger Watt vorbei. Auch hier sind die Gössel groß geworden ... 

Das Blässhuhn ist in jedem Jahr sehr fleißig...

Die männliche Reiherente ist häufig auf den Seen anzutreffen. Ich finde, er ist mit seinem Schopf  am Hinterkopf eine echt witzige Erscheinung ...

3.07.2019 - Tag es Haubentauchers

Heute fahre ich auf die Elbinsel Kaltehofe. Früher war ich dort häufiger. In den letzten Jahren ist sie etwas in Vergessenheit geraten, obwohl das  dort ein wirklich nettes Plätzchen ist. Im Restaurant kann man auch Kleinigkeiten essen und vor allem gibt es Eis zu kaufen. Ingesamt bietet der Park mit etwas Glück diverse Möglichkeiten Vögel zu beobachten. Oft waren es die Brandgänse, die mich begeisterten. Sie sind in größerem Trupp unterwegs und bei schönem Himmel immer ein nettes Fotomotiv.

 

Heute nun, möchte ich dort einmal nach dem Rechten sehen. Natürlich nicht ohne unterwegs mit Gänsehaut im Nacken und Schweiß auf der Stirn irgendwo eine Toilette anzusteuern. Der Bauch muckerte schon die ganze Nacht herum und ließ mich letztlich nur zögerlich starten. 

Dort angekommen sah es zunächst danach aus, als sei hier überhaupt nichts los. Einen Zwergtaucher sehe ich ganz kurz, bevor er abtaucht und sich dann offenbar für den Rest des Tages vor mir versteckt. Ich schlendere weiter - natürlich auch hier nicht ohne  zunächst die Örtlichkeiten aufzusuchen. Es nervt mich ungeheuerlich und ich muss aufpassen, nicht so "gebrechlich" zu werden,  dass ich nach Hause fahren muss.

Ich rede mir gut zu - ein Glück, dass kaum weitere Besucher hier sind.

An meinem Lieblingssee angekommen - bin ich dort ganz alleine. Ich setze mich auf  den Holzsteg und genieße Wind und Sonne.

Aber ich bin gar nicht so alleine, wie ich dachte. Mein Herz macht ein Sprung vor Freude. Rechts neben mir im Schilf brütete ein Haubentaucherpärchen. Wenn der Wind ordentlich pustet,  drückt er das Schilf zu Seite und man hat einen guten Einblick.

Und der Wind pustet ordentlich - manchmal kann ich meine Kamera gar nicht halten. Ich versuche sie auf dem Holzsteg abzustellen und mich hinzulegen. Die Idee wäre gut, wenn da nicht der Nacken wäre.  Nun, als ich Stunden später gehe - habe ich ein paar vernünftige Bilder gemacht und spüre meine Knochen nicht mehr. 

Egal  - das wird hoffentlich morgen wieder gut sein!

Der Wind war oft so heftig, dass ich kaum die Kamera ruhig halten konnte. Nicht alle Bilder sind deshalb gestochen scharf, aber ich habe so viel Freude daran, dass ich sie hier mit aufnehmen will.

Neben den brütenden Haubentauchern  schwimmen diverse Blässhühner auf dem See. Die Jungtiere haben einfach keinen Bock sich ihr Futter selber zu suchen. Obwohl sie schon recht groß sind, schreien sie unaufhörlich nach ihren Eltern.  Das  Geschrei ist über den ganzen See zu hören ...

5.07.2019          Tag 2 des Haubentauchers

Als ich heute den Parkplatz ansteuere ist der bereits schon ganz schön voll. Ich bin erstaunt, ist das Wetter nun wirklich nicht schön. Der Wind pustet auch heute, wir sind weit entfernt von sommerlichen Temperaturen  und es ist kalt!

Als ich den Weg zum Holzsteg einbiege, sehe ich dass da schon Jemand ist. Der Herr Kormoran hat es sich gemütlich gemacht. Da es mittlerweile ganz schön regnet, muss ich zunächst Schutz suchen und ich lasse ihn sitzen. Er würde mich im Übrigen gar nicht stören. ganz im Gegenteil, ich wäre sehr glücklich, wenn er einfach sitzen bliebe. Wir könnten dann zusammen, das Haubentaucherpaar beobachten. Aber ich befürchte, dass er das nicht halb so schick findet wie ich.

Irgendwann lässt der Regen etwas nach und ich muss unbedingt schauen, ob die Beiden noch auf ihren Eiern sitzen oder ob sie womöglich schon mit den beiden Küken unterwegs sind. 

Nein, sie brüten noch - ich habe nichts verpasst! Die nächsten zwei Stunden verpasse ich auch nichts. Der Herr Haubentaucher schwimmt auf dem See, betreibt Körperpflege und ruht zwischenzeitlich während seine Gattin immer nervöser wird. Es ist ihr anzumerken, dass sie nun auch gerne einmal aufstehen würde. Wo bleibt der Kerl denn nur?

Das frage ich mich auch allmählich - zwischenzeitlich macht er immer mal so Anläufe Richtung Nest zu schwimmen. Ich schmeiße mich auf den dreckigen Holzsteg - immer bemüht nicht in dem ganzen Vogeldreck zu landen. Und dann dreht der Herr Haubentaucher wieder ab. Aber "Geduld" ist ja mein zweiter Vorname und irgendwann muss er ja kommen.

Zwischenzeitlich vertreibe ich mir die Zeit mit einer kleinen Bachstelze. Sie ist sicherlich bereits in der zweiten Brut und sieht echt mitgenommen aus. vielleicht ist sie aber auch schon in der Mauser.

Ein wenig genervt bin ich heute von der ständigen Ruhestörung. Das sind wohl die Leute, die zu all den Autos auf dem Parkplatz gehören. Es ist wie immer. Die Leute interessieren sich nicht wirklich und sie haben auch keine Ahnung. Bestimmt haben sie das Haubentaucherpaar gar nicht gesehen - aber sie müssen auf diesem Holzsteg kluge Reden schwingen, lachen und laut sein.

Naja gut, ich ändere das nicht. Also warte ich geduldig ab, bis sie weiter ziehen. Sie werden gehen, genauso wie der Herr Haubentaucher nun bitte endlich sein Mädchen ablösen möge.

Und ja, plötzlich ist er da. Er taucht eine lange Strecke, sodass ich seinen Weg nicht verfolgen kann. Auffällig ist aber, das sein Mädchen, plötzlich ihre Haltung verändert und ihren Kopf so weit senkt, dass sie fast auf dem Nest liegt. Es wirkt, wie eine Art Unterwürfigkeit. Im Laufe des Tages beobachte ich, dass das tatsächlich das Verhalten des Weibchen gegenüber dem Männchen zu sein scheint. 

07.07.2019           Tag 3 des Haubentauchers

Ich mache mich auf den Weg zu den Haubentauchern. Der Wetterbericht verspricht heute mehrere Stunden Sonnenschein und kein Regen. Fakt ist, es regnet als ich ankomme - der Wind ist so heftig, dass es mir wieder kaum möglich ist, die Kamera ruhig zu bekommen und es ist arsch kalt. Ich überlege, ob ich vielleicht noch einen Schal im Auto habe. Aber leider nein! Das ist nun also Sommer! Aber naja, braucht sich wenigstens keiner aufregen, das es zu warm ist. Heute Nacht sollen sich die Temperaturen  im einstelligen Bereich bewegen - da wird  dann wohl niemand ins Schwitzen kommen.

Außerdem ist es brechend voll heute. Es wird eine silberne Hochzeit gefeiert. Zunächst ist davon am See nichts zu merken. Die Leute sitzen  im Cafe und hauen sich die Wampe voll. Ich muss mir natürlich auch heute  ein Eis kaufen und habe dabei Gelegenheit zu schauen, was da so abgeht. Es ist in erster Linie laut, aber das Büfett sieht ausgesprochen lecker aus. Ich überlege kurz, ob es wohl jemanden auffällt, wen ich mir ein Tellerchen hole. Bestimmt nicht - aber ich traue mich leider nicht.

Ja, so kam es, wie es kommen musste - irgendwann ging die Völkerwanderung los - schließlich musste das gute Essen verdaut werden. Ich bin dann gegangen ...

Nach dem dritten Tag intensiver Beobachtung des Haubentaucherpärchens kann ich sagen, dass bei den beiden Vögel äußerlich keine Geschlechtsbestimmung möglich ist. Aber ganz sicherlich in ihrem Verhalten. Das Mädchen duckt sich, wenn er kommt. Er  macht, nachdem er sein mit gebrachtes Nestmaterial abgegeben hat, einen Diner. Allerdings nimmt er es nicht immer so genau - grabbelt sich dann auch schon mal gleich am Hals herum. Er ist da eher pragmatisch eingestellt. Verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen.

An dieser Körperhaltung kann ich erkennen, dass er in der Nähe sein muss. 

Er zeigt formvollendet einen Diner - ohne sich am Hals zu grabbeln. Ob es sein Mädchen interessiert, ist nicht zu erkennen...

Mir ist es dadurch inzwischen möglich, zu sehen, wer von den Beiden auf dem Nest sitzt. Auch ist auffällig, dass sie den eindeutig stressigeren Part übernimmt. Lange sitzt sie auf dem Nest, bevor er mal mit einem bisschen Schlamm als Geschenk ankommt. Sie kann dann auch mal vom Nest runter - bleibt aber in der Nähe und ist sehr bald zur Ablösung wieder da. Also bei den Beiden, wäre eine Info, dass sich Beide das Brutgeschäft teilen, falsch. Es ist wie im wahren Leben. Sie hat die Arbeit - er paddelt überwiegend auf dem See herum! Wenn er es ganz gut meint, schleppt er einen Stock an, den er dann liebevoll versucht auf das Nest zu bugsieren. Die beiden Haubentaucher sind wunderbar!

Ich habe gelesen, dass  die frisch gelegten Eier des Haubentauchers matt-weiß sind. Erst in den darauffolgenden Tagen nehmen sie ihre bräunliche Farbe an. Sie sitzen ca. 27 - 29 Tage auf dem Nest.

Während ich da am Steg hocke und befürchte zu erfrieren, sehe ich, dass das Haubentauchermädchen, so komische Zuckungen macht. Wenn ich nicht wüsste, dass da noch keine Kinder sind, würde ich denken, dass die Jungen sich unter ihrem Gefieder bewegen. Nach einer Weile steht es auf und fängt an mit den Flügeln zu schlagen. Das weiße Ei  ist ohne Brille zu sehen! 

Ich bin natürlich nicht sicher, aber möglicherweise hat sie das Ei gerade erst gelegt. Ich habe eine solche Situation einmal schon mal bei den Rothalstauchern erlebt.  Da hat das Mädchen ganz aufgeregt gegackert bei der Eiablage. Beim Haubentaucher blieb alles ganz still - aber vielleicht macht der Haubentaucher auch dieses Geschrei nicht.

Ich denke, dass das Gelege noch nicht alt ist. Vielleicht hat sie das erste Ei am 30. Juni gelegt - rechnet man 27 Tage drauf , sind wir beim 26. Juli. Also in der letzten Juliwoche gilt es noch einmal verstärkt nach den Kücken zu schauen.


Ablöse ...

Der Altvogel rutscht vom Nest - der Andere wartet schon und springt dann eher etwas plump auf drauf. Alle Eier sind noch da - sie werden gedreht, damit sie von allen Seiten gleichmäßig bebrütet werden können.  Bevor er sich dann allerdings auf seine Eier setzt, wirft er den Kopf mal rechts mal links - dann sieht sehr putzig aus. Es braucht eine Weile, bis er dann endlich sitzt.

Geschenke ...

Das Nest des Haubentauchers sieht ja ein wenig unordentlich aus. Aber dennoch hat alles seine Ordnung - manchmal trügt halt der Schein!  Das Nest besteht aus Schilfhalmen, die so gelegt werden, dass darauf, alles abgelegt werden kann, wann sich so im Wasser findet ..

und das Nest wird gewissermaßen nie fertig - immer wieder gilt es, Nistmaterial zu beschaffen, auf dass dann altes Laub,  feine Wurzeln oder sonst was halt finden. Immerhin soll es unzählige Eier halten ....

Wer weiß schon so genau, wie die Füße des Haubentauchers aussehen?

 


Eiderente