Freizeit 2020 - 2

Nach einer längeren Pause entecke ich derzeit wieder mein Herz für den Wildpark Lüneburger Heide. Ich glaube, nach dem Drama  bei Familie Schneeleopard, war der Glanz für mich dort vollkommen erloschen.  

Damals waren 3 kleine Schneeleopardenmädchen geboren worden. Mama  "Aziza" - Papa  "Anan" beide  erst 5 Jahre alt, stolze Eltern. "Bindu" - "Barscha" und " Bona" wurden am 6. Mai 2017 geboren!

Eine gefühlte Ewigkeit musste ich warten bis die Kleinen endlich auf der Außenanlage herum turnten. Als es endlich soweit war,  verbrachte ich jede freie Minute vor der Anlage. Oft stand ich vor  Parköffnung an der Kasse und wartete auf Einlass. Ich raste im Galopp hoch zur Anlage - eine Stunde hatte ich ungefähr Zeit, bevor ich weiter in das Irrenhaus fahren musste!

Nach ungefähr einer Woche  vermisste ich bereits das erste Mädchen. Da ich keinerlei Informationen über das Internet finden konnte, schrieb ich direkt den Wildpark an, mit der Bitte, mir zu sagen, was passiert ist! Das tat der Wildpark tatsächlich sehr zügig. Ich erfuhr dass, das fehlende Leopardenmädchen an einer akuten Lungenentzündung verstorben sei.

Einige Wochen später sah ich nur noch ein Leopardenmädchen auf der Anlage bzw. sah ich, das ein Leopardenmädchen in seinem Stall völlig verzweifelt an den Gitterstäben rauf und runter rannte. Es war ein furchtbarer Anblick - ich sah den Pfleger  hin und her laufen und überlegte, ob ich ihn ansprechen könnte. Aber irgendwie spürte ich den Ausnahmezustand und verwarf meinen Gedanken.  Jeden Tag schaute ich mir die Situation vor der Anlage an und stand immer vor dem gleichen Bild! Ich war entsetzt und echt richtig traurig. Was war geschehen? Vor noch nicht allzu langer Zeit hatten wir hier alle soviel Spaß - wenn die Lütten durch die Anlage tobten und Mama Aziza fast ein wenig überfordert wirkte.

Jetzt lag sie mit Anan im Gras und schien ihre Kinder vergessen zu haben!

Wieder schrieb ich den Wildpark an und erbitterte eine Erklärung für die Situation. Postwendet bekam ich eine überaus emotionale Antwort einer Mitarbeiterin, die mir schrieb, dass Bindu  vom Tierarzt hätte eingeschläfert werden musste. Sie hatte tagsüber noch übermütig auf der Anlage gespielt - am Abend war sie leider stocklahm und konnte sich nicht mehr vom Fleck bewegen. Eine gründliche tierärztliche Untersuchung hatte ergeben, das Bindu mehrere Kochenbrüche - ohne Fremdverschulden"  erlitten hatte. Diagnose: "Glasknochen"! Eine  Chance auf Heilung der Brüche bestand nicht.

Mit der Diagnose "Glasknochen" war ich schon einmal konfrontiert worden.  Damals war Rebecca (18 Jahre alt) an "Glasknochen" verstorben und hatte mir Minki überlassen.

Ich bin  nicht in der Lage meine Gedanken zu diesem ganzen Mist wieder zu geben. Ich habe viel geheult und manchmal zu viel getrunken. Es war mir ein Bedürfnis zu Rebecca auf den Friedhof zu gehen und ihr zu sagen, dass es Minki gut geht.

Die Antwort des Wildparks geht weiter: 

"Kurz nach Bindu's tot, fängt nun auch noch ihre Schwester Barscha an zu lahmen. Wir sind jetzt natürlich vorgeprägt und wollen bei ihr nichts riskieren. Deshalb hat sie vom Tierarzt eine strikte Stallruhe verschrieben bekommen, bis wir wissen, woran Bindu gelitten hat und ob das Ganze auch Barscha betreffen könnte."

Ich glaube, dass ich zu diesem Zeitpunkt, dem Wildpark den Rücken zugekehrt habe. Der Wildpark hat sich nichts vorzuwerfen und ich bin ihnen für ihre sehr zügige und emotionale Antwort dankbar - aber ich konnte die Situation nicht aushalten!

Inzwischen bin ich gelegentlich mit Andrea im Wildpark gewesen - aber die wirkliche Freude stellte sich nicht wieder ein.  Bei unserem letzten Besuch am 25. Mai 2020 war irgendwie alles anders. Die beiden Tigermädchen aus Hagenbeck  (Dasha und Anoushka) hatten am ...  hier ihre neue Heimat gefunden und ich war echt glücklich. 

Für den Umzug war es höchste Zeit.  Beide  Mädchen waren mittlerweile geschlechtsreif und es gab Probleme mit Tigerkater Yasha. Er musste immer häufiger getrennt werden.

Bei meinem letzten Besuch in Hagenbeck - bevor Corona alles lahm legte -  hörte ich Dasha und Anoushka  heulen. Mir war sofort klar, dass die beiden rollig waren. Ich machte mir ernsthaft Sorgen um die Familie. Die beiden Brüder waren bereits nach Schottland bzw. nach Japan gezogen  - ich hatte das Gefühl, dass sich für die beiden Mädchen keine Lösung abzeichnete. Mir fingen an die Bilder aus den Schwedischen Zoos durch den Kopf zu gehen - in Schweden werden Tiere, die stören und nicht vermittelt werden können, getötet!!!

Ich kann nicht beschreiben, wie glücklich mich die Meldung machte, das Dasha und Anoushka in den Wildpark Lüneburger Heide ziehen würden. Es ist eine mega tolle Anlage und ich bin ganz sicher, dass die Beiden im Paradies angekommen sind!

Heute habe ich bei meinem Besuch im Wildpark eines der Mädchen gesehen und vor Freude einen kleinen Hüpfer gemacht.

30.Mai 2020 Wanderung mit Andrea und Darko auf dem Boxberg


31. Mai bis 4. Juni 2020 - Helgoland

In Zeiten von Corona ist ja alles anders - vor allem schwierig! Hatte ich mich auf den Harz so mega gefreut - wollte sich in Richtung Helgoland keine Zuversicht einstellen. Aber schließlich konnten wir fahren - und ich konnte endlich wieder Luft bekommen!

5/6. Juni 2020 Im Wildpark Lüneburger Heide den jungen Wolfsnachwuchs begrüßt

Bin ich gleich nach Helgoland noch schnell in den Wildpark gefahren, um die kleine Bo zu begrüßen. Im Wildpark hat man wegen Corona gewissermaßen Einbahnstraßen angelegt - heißt konkret, ich muss einen riesigen Umweg zu den Wölfen nehmen. Gut, bei meinem ersten Besuch, bin ich brav an vielen verschiedenen Tieren vorbei gelaufen, die mich null interessieren. Als Jahreskartenbesitzerin weiß man irgendwann, wo man hin will - wo man zu Hause ist!

Bei meinen weiteren Besuchen finde ich natürlich die Abkürzung. Immer werfe ich einen Blick auf die beiden Zwillingsbrüder , Wanja und Misho (2011 in Hagenbeck geboren), die seit 2016 im Wildpark leben.

Dann kommen  die Schneeleoparden, bei denen ich mich auch lange aufhalte, wenn ich  nicht gerade zielgerichtet zu den Wölfen will.

Nach den Schneeleoparden kommt die schwierigste Stelle - irgendeine Hütte, in der man Softeis kaufen kann. Zum Glück muss man immer so lange warten, bis jemand kommt, dass ich dann irgendwann doch die Kraft aufbringe, mir zu sagen, dass ich jetzt kein Eis essen muss.

Mit  leichtem Emotionsschwankungen  gehe ich weiter und komme bei den Tigern vorbei. Hier stehe ich auch und schaue. Sind doch die beiden Damen vor Kurzem erst aus Hagenbeck hierher gekommen - das hat mich riesig gefreut.

Schließlich, ganz oben auf dem Berg, sind die Wölfe zu Hause.

Ich brauche auch gar nicht lange zu warten - da sehe ich die kleine Bo auch schon!  Aber die ersten Tage ist das Fotografieren fast unmöglich. Sie sind zu weit weg - ich komme nicht am Maschendraht vorbei und so weiter ..

An einem anderen Tag liegt Tanja Askani ganz dicht bei den Wölfen im Gehege. Ich höre ihre Serienbildaufnahme ununterbrochen und bin schon ein weinig neidisch. 

8.06.2020 - Wanderung mit Andrea und Darko

Andrea ist gegen 9:00 Uhr bei mir - ich hatte schon einen "kleinen" Wanderweg für uns herausgesucht. Es kann also losgehen. Wir starten heute am Brunausee - Darko geht noch eine Runde baden, bevor es weiter geht in die Lüneburger Heide. Die Badestelle ist mir vertraut - hat doch vor vielen Jahren dort Butz immer versucht von den Badegästen ein wenig Kartoffelsalat oder auch ein Würstchen zu stibitzen.  Butz ist schon lange im Himmel , aber es ist ein schönes Gefühl heute dort mit Darko zu stehen und ihm bei seinem Spaß zuzusehen! 

Nach dem Päuschen am Brunausee laufen wir Richtung Behringen und wollen eigentlich den Europäischen Fernwanderweg nach Wilsede bzw. Steingrund nehmen. Auf meiner Wanderkarte ist der Weg fett in blau eingezeichnet - nur zu finden ist er nicht. Wir orientieren uns um und gehen Richtung Behringer Heide und finden dann links ab einen Weg nach Wilsede, der über den Steingrund geht. Alles wunderbar - nehmen wir halt diesen Weg.

Anfangs ist der Weg ein wenig langweilig, aber um so weiter wir in die Heide kommen, desto schöner wird er.  Wir laufen zunächst unterhalb des Steingrundes nach Wilsede zur Milchbar, weil ich schon wieder so einen Hunger auf meine Erbsensuppe habe.

Von Wilsede geht es noch einmal zurück in den Steingrund - diesmal laufen wir oberhalb und es ist ein wirklich toller Blick. Der Steingrund mündet in den Totengrund - eine ebenso beeindruckende Landschaft. Wir machen ein Päuschen auf der Bank, auf der ich vor vielen Jahren mit Omi saß. 

Leider muss Darko ein anders Plätzchen nehmen, da er bei jeder "Pausenbank" versucht sie mittels graben umzuschmeißen

Schließlich laufen wir über Sellhorn zurück nach Hörpel. Es ist ca. 18:00 Uhr und wir sind 38117 Schritte gelaufen - 24,89 Km.

 .... und natürlich fahre ich in regelmäßigen Abständen zu den Wölfen, um nach dem Nachwuchs zu schauen.

Das Fotografieren durch den Zaun oder durch die Scheibe sind eine echte Herausforderung. Das trübt die Freude ein wenig - dennoch ist es ein schönes Ereignis und eine tolle Erinnerung. Diese Bilder sind vom 22.06.2020 - Bo wächst ganz schön und wird immer aktiver.

Zaun, Scheibe und ein kleiner Urwald lassen oft nur einen kleinen Blick auf Bo zu

26.06.2020

26. / 27.06.2020

Gestern hatten Inge Iko und ich das große Glück , dass sich die Wolfsfamilie bereits um 8:oo Uhr voller Energie zeigte. Heute  -  mit  Andrea - ging es erst gegen 14:00 Uhr los! Inuk  und Nitika stellten ihr "Baby" voller Stolz den Besuchern vor - danach wurden alle Wünsche erfüllt ...

Steht dir gut!

Bo trägt ihren Papa eigentlich immer irgendwie bei sich - hier hat sie ein kleines Stückchen Fell in der Schnute von ihm. Ich freue mich so sehr, über dieses Schöne Bild von der kleinen Prinzesschen.

Das Wochenende ist zu Ende und es fällt mir schwer, meine Zelte hier abzubauen und mich auf das Irrenhaus zu konzentrieren. Immer, wenn ich kaum los lassen kann, beruhige ich mich mit dem Gedanken, dass ich ja nicht mehr soviel Weg vor mir habe. Vielleicht könnte ich mir ein kleines Wohnmobil leisten und das machen, wozu ich schon immer Bock hatte.

Meine Träume bekommen einen Knacks, weil mir eine Kollegin erzählt, wie sich das mit den Steuern auf Betriebsrente und Versicherungen auswirkt, wenn ich vorzeitig die Segel streiche. Ich muss unbedingt prüfen, von welchen Zahlen wir reden ..

3.07.2020

Als ich heute morgen von meiner Pritsche im Wohnzimmer hoch komme und in "Frederiks Zimmer" gehe, um mir einen Beutel Kaffee zu holen, fallen mir fast die Augen aus dem Kopf. Im Gras kann ich mehrere rote Köpfe sehen und ich weiß genau, dass es Grünspechte sind. Es scheint eine Mutter mit ihren zwei Kindern zu sein. Leider sind sie viel zu weit weg, als das ein wirklich brauchbares Bild entsteht. Ich habe auch nicht die Zeit zu warten, bis sich da was bewegt - schließlich wartet das "Irrenhaus" auf mich! Schweren Herzens überlasse ich ihnen die Wiese ...

Als ich gegen 18:00 Uhr nach Hause komme und zügig zur Wohnung laufe um Oskar raus zu lassen, sitzen sie doch tatsächlich vor meiner Haustür. Ich halte natürlich sofort inne, aber sie haben mich bemerkt und sich erschrocken - weg sind sie!

Ein wenig kackt mich die Situation an! Aber ich gehe rein - lasse Oskar raus und gehe auf Position. Meine Warterei wird belohnt: Erst kommt Mama zurück - etwas später auch noch eines der Kinder!

So lasse ich mir den Start ins Wochenende gefallen ....

Die Bilder entstehen alle durch die Scheibe und das straft sich immer sofort, weil sie nie richtig scharf werden und weil die Scheibe zuviel Licht schluckt.  Was hat Aiga gesagt: Die Scheibe ist zum Gucken da und nicht zum Fotografieren! Ja, sie hat recht - wenn ich jetzt aber die Tür aufmache, ist der Grünspecht weg!

Das ist eben das Besondere an der Tierfotografie. Du musst die Dinge nehmen wie sie kommen und das Beste versuchen daraus zu machen. Letzte Woche - als wir Sommer hatten - war das Licht schon am Morgen grandios. Leider war aber die Wiese recht tot, da total trocken und keine Würmer zu finden waren. Diese Woche nun, hat es ordentlich geregnet - aber die Lichtverhältnisse waren eher scheiße! Aber ich halte eigentlich trotzdem immer rauf, weil es mir Spaß macht und weil ja doch die klitzekleine Chance besteht, das ein Bild brauchbar ist!

Das ist ein Grünspechtkind!

4.07.2020

Allmählich komme ich mit den Bildern am Wolfsgehege immer besser klar. Dieses Bild entstand durch den Zaun, mit dem ich anfangs überhaupt keine Schnitte hatte. Bo macht überhaupt jeden Tag ein bisschen mehr Freude. Sie wird größer und damit auch neugieriger und insgesamt ist sie natürlich viel mehr in Bewegung!

Der Kontakt zu einigen "Wolfsbekloppten" macht auch Spaß - wenn niemand von ihnen da ist, finde ich das mittlerweile doof!

 

 

Nitikas Gesäuge ist inzwischen fast dunkelrot - aber wie "eine Mama im wahren Leben" sind die Schmerzen Nebensache.

Ein schönes Bild: Mama und Tochter miteinander eins!

Ich denke, das es langsam Zeit wird, das ihr Angst vor mir bekommt. Herzlichst, eure Bo 

Was bringt mir denn da mein Papa - eine olle Schuhsohle? Ob Tanja die wohl vermisst ...

Also Bo scheint schon irgendwie mein Leben gerade zu beeinflussen - aber natürlich gibt es neben Bo noch meine Mäuse

Alter Falter  Yenni - stehe mal auf, ich muss noch ein bisschen was schaffen!

1. August 2020 Kellenhusen - zu Besuch bei Sabine