Helgoland  24.04. - 28.04.2022

Das erste Mal ohne Andrea auf Helgoland - ich habe immer wieder kurz inne gehalten - dennoch,  sie fehlt ...

Wochen später frage ich mich , wie man einfach "so" aus dem Kontakt gehen kann?

Ich verstehe es nicht!

Impressions

Ankunft in Büsum viel zu früh  - es ist immer schwierig die Fahrerei über die A7 durch den Elbtunnel einzuschätzen. Ich kann keine Aufregung oder Hetzerei mehr ertragen - will ich doch in Urlaub fahren!

 

Am Anleger der Funny Girl ist noch nichts los - ich bin froh, schon mal die Fähre zu sehen, sie scheint nicht kaputt zu sein und tatsächlich auch in der Lage , mich heute nach Helgoland zu fahren.

Für einen kurzen Augenblick spüre ich etwas Aufregung und Freude in mir - im Überwiegenden bin ich aber eher in mich zurück gezogen!

Es ist um diese frühe Stunde, trotz der Sonne, recht kühl. Fast würde ich denken, ich friere ...

Aber das will ich nicht denken - raus aus meiner inneren Zurückgezogenheit, laufe ich durch den kleinen Büsumer Hafen und versuche mich schon mal auf das Fotografieren einzustellen ..

Auf der Fähre angekommen, überlege ich, wohin ich mich für die nächsten 2,5 Stunden verkriechen möchte. Ich bin inzwischen unglaublich müde und kann kaum noch aus der Pupille gerade ausgucken!

Ich will einen Platz finden, an dem ich meine Ruhe habe, wo ich möglichst wenigen Menschen begegne und wo es  auch ein wenig kuschelig ist. 

Ich entscheide mich für den Keller  ...

Hier ist alles frei - der rote "Plüschbezug" strahlt in meinen Augen absolute Wärme aus  - die Bilder an den Wänden sind harmonisch - ich habe einen kleinen Tisch und ich bin total alleine hier unten!

Links unten, in der Ecke des Bildes verbringe ich schließlich die Überfahrt - ich krame mein Buch aus der Tasche - lese ein paar Seiten und schlafe dann einfach ein!

Die Haltestelle kann ich ja nicht verpassen und es ist so unglaublich wohltuend, mir um nichts und niemanden irgendeinen Kopf zu machen!

In weiter Ferne höre ich die Durchsage des Kapitäns, dass wir in wenigen Minuten Helgoland erreichen.  Ich versuche wach zu werden und mir einen Überblick zu verschaffen. Mit meinem "Gelumpe" ziehe ich erst einmal in die oberen Stockwerke der Fähre um...

Sitze ich da also so vor mich hin und bin noch immer nicht ganz wach, steht plötzlich völlig unerwartet Annett Mirsberger vor mir - ich  bin kurz vor überfordert! Aber wir kommen entspannt ins Gespräch. Natürlich fragt sie nach Andrea!  Ich stottere irgendein eher unzusammenhängenden Quark vor mich hin und sage ihr schließlich, dass Andrea beschlossen hat, nicht mehr mit mir gemeinsam nach Helgoland zu fahren und dass ich diese Situation aber nicht erklären möchte.

Annett reagiert unglaublich entspannt "Manchmal passen die Dinge halt nicht mehr zusammen" ...

Da kann ich sofort mitgehen - "niemand ist schlecht und keiner hat Schuld!"

Mit diesen Gedanken verlasse ich die Fähre und mache mich auf den Weg zum Hotel Meeresblick - auf den Fahrstuhl habe ich kein Bock. Die Vorstellung mich  mit dem  Kommisston  des Personals konfrontiert zu sehen, kann ich gerade nicht ertragen. Bleibt die direkte Treppe hoch ins Oberland oder hinten herum über die Treppen etwas Abseits - abgebogen irgendwo bei der "Bunten Kuh". 

Das mache ich - irgendwie habe ich aber doch die Strecke unterschätzt - eine Erfahrung reicher, die  ich nicht widerholen werde!

Ich komme aber natürlich oben an und begegne Annett im Hotel  beim einchecken- wir lachen beide herzlich über die Situation.

 

Sie ist mit dem Fahrstuhl gefahren - ich bin über die Treppe zu Fuß und doch sind wir zeitlich sehr nah!

In meinem Zimmer angekommen - es ist sehr klein und liegt nach hinten raus - verstaue ich meine Sachen irgendwie/irgendwo und mache mich auf den Weg zu meinem Lieblingsschiff der "Witte Kliff", um auf die Düne zu fahren. 

Jetzt bin ich endlich einmal kurz wirklich richtig aufgeregt und freue mich hier zu sein!

Ich habe meinen neuen Graufilter dabei und bin gespannt, wie ich damit klar komme ...

Am Nordstrand, kurz hinter dem Anleger, haben die mega Sandhügel mit den  Algen und dem Wattschlick rapide abgenommen. Im letzten September haben Andrea und ich dort  tolle Bilder von verschiedenen Limikolen machen können, die uns fast über die Füße liefen.  Nun halten sich dort nur noch Möwen und einige Krähen auf - aber die Erinnerung zählt!

Der "Hans Guck" vom Dünen Restaurant "guckt" auch in diesem Jahr - sein Alter ist ihm allerdings anzusehen!

Brandseeschwalben 

Auf dem Weg zu den Basstölpeln ...

Mit Silke im Hafen zu vorgerückter Zeit ...

Das hat richtig Spaß gemacht ...

Es war so, als würde der "Liebe Gott" mir sagen wollen: Sei nicht traurig, ich habe dich im Blick : Mit Annett und "ihren" Mädels 

nun endlich diese Börtetour um die Insel gemacht - mit Silke abends im Hafen unterwegs - so schön und entspannt!

Erst fuhr  Annett ab und dann Silke - Silke verabschiedete sich von mir auf der Düne. Ich lag mal wieder im Dreck, mit den Brandseeschwalben beschäftigt, als ich irgendwen nach mir rufen hörte . Es war ein unfassbarer schöner Moment, als ich sie winken sah ...

Warte ich am Anleger auf Annett - "natürlich" haben sich die Damen auf der Düne im Dünenrestaurant verquatscht .... der Kapitän sieht es gelassen - schließlich sind alle da und es kann los gehen ...

Irgendwie erinnert mich das an die Kutschen, die ihre Touris  nach Wilsede fahren - hier geht es nicht durch die Lüneburger Heide, sondern mit dem Börteboot um die Insel.

Es war interessant  -  einmal Helgoland aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. 

Allerdings muss ich schon gestehen, dass ich es nicht noch einmal machen würde. Sicherlich war es ein besonderer Augenblick, als der Kapitän "seinen" Hummer aus dem Wasser hoch holte und uns erklärte, dass das sein Abendbrot werden würde. Ich war mittelprächtig geschockt  mit ansehen  zu müssen, wie der Hummer um Luft rang. Nachdem alle Gäste von dem  - um sein Leben kämpfenden Hummer, Bilder gemacht hatten - nahm er ihn von der "Bühne", wickelte ihn in ein nasses Tuch ein und schmiss ihn in einen 5 Liter Eimer, gefüllt mit ein bisschen Wasser ...

Ja, in so einer solchen Situation habe ich mich in meinem letzten Leben auch schon einmal befunden. Völlig blauäugig in Südfrankreich Karten für einen Stierkampf gekauft.  Mit dem Fotoapparat um den Hals, meinen Platz gesucht und völlig traumatisiert - ohne Fotoapparat - ins Hotel zurück gekehrt.

Brauttanz der Brandseeschwalben hat Spaß gemacht ...

Ich fahre nach Hause  ....  um wieder zu kommen !